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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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II

Bankgeschäfte.

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sieht, Dividende gleich heutiger Superdividende, woher die Stückzinsenrechnunghistorisch zu erklären ist 4 ). Die Herrschaftsstellung einzelner Aktionäre wird gele-gentlich durch die Ausgabe von Vorzugsaktien mit doppeltem Stimmrecht gestärkt,oder auch durch die Ausgabe nicht vollgezahlter junger Aktien (Leeraktien) mitvollem Stimmrecht, welche die kontrollierende Instanz für sich zurückbehält.

Demgegenüber kann die Wirtschaftliche Interessengemeinschaft der Leih-kapitalisten rechtlich und tatsächlich ausgebaut werden etwa durch Treuhänder,wie bei Hypothekenbanken 2 ). Vgl. auch das Gesetz von 1899 betr. die gemeinsamenRechte der Besitzer von Teilschuldverschreibungen, welches Gläubigerversammlungenmit dem Rechte bindender Mehrheitsbeschlüsse und die Bestellung eines Gläubiger-vertreters zuläßt. Ein dem Reichstag vorliegender Gesetzentwurf (1914) erweitertdiese Rechte. Aber obiges Gesetz funktioniert nur bei inländischen und privatenSchuldverschreibungen. Dagegen sind Schutzveranstaltungen der Gläubiger vonausländischen Schuldnern bisher noch wenig entwickelt Fortbildung des inter-nationalen Rechts! ähnlich steht es mit dem Schutz der Aktionäre gegenüberdenMachern " Fortbildung des Aktienrechts! Besonders vom ausländischenSchuldner droht dem Effektenbesitzer dieSchuldnerempörung", und es versagtin vielen Fällen der Gerichtsvollzieher.

b) Statistisches. Es erhebt sich dieFrage: Welcher Bruchteil des Volksvermögensisteffektifiziert", welcher Bruchteil des alljährlichen Vermögenszuwachses wird inEffektenform gegossen? Hinsichtlich der Größe des Volksvermögens, wie bezüglichdes jährlichen Vermögenszuwachses tappen wir vollständig im Dunkeln 3 ). Es handeltsich hierbei keineswegs nur um statistische, sondern auch um begriffliche Schwierig-keiten. Sind dem VolksvermögenmonopolistischeWertsteigerungenzuzurechnen, dieden Einen bereichern, den Andern zu gleicher Zeit belasten: Bodenwerte u. ä. ? Immer-hin treffen die jüngst veröffentlichten Schätzungen nahe genug zusammen, so daß manihnen Beachtung nicht versagen dürfte. Diese Berechnungen des deutschen Volksver-mögens ergeben für 1913 Ziffern von 300400 Milliarden Mk., des jährlichen Ver-mögenszuwachses von 1012 Milliarden Mk. 4 ) Ziffern, die sicher die Schätzungenfür Frankreich, aber auch die für England übertreffen, hinter den VereinigtenStaaten indessen ebenso sicher zurückstehen.

Auf der andern Seite ist auch unsere Emissionsstatistik äußerst unsicher.Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht die Ziffern der Börsenzulassungen.Das bedeutet einerseits zu viel: Pfandbriefe, Kommunalobligationen werden viel-fach auf Vorrat zugelassen, ausländische Anleihen zu ihren Gesamtbeträgen zu-gleich an inländischen und ausländischen Börsen, so daß das Inland nur einen Teil

oft nur einen kleinen Teil aufnimmt. Aber andererseits: alle Nie h t-Börsen-werte fallen bei dieser Statistik aus. Wieweit derartige Fehler sich ausgleichen, stehtvöllig dahin. Der deutsche Oekonomist und die Frankfurter Zeitung haben aufGrund der Prospekte, der Zeichnungseinladungen, der Anfragen bei Emissions-häusern die Ziffern des Statistischen Amtes schätzungsweise zu verbessern gesucht

ohne durchgreifenden Erfolg. Das Beste bietet die zuerst von der FrankfurterZeitung vorgenommene Statistik auf Grund desEffektenstempe's, welche allerdingsüberwiegend nur die Nominalwerte, ferner die zurAusgabe" gelangenden, öftersvom Emissionshause noch nicht weitergegebenen Effekten zählt; hierzu kommen dienicht stempelpflichtigen Staatsanleihen, welche die Frankfurter Zeitung nach derEmissionsstatistik hinzurechnet. Aber in keiner Emissionsstatistik, wie immer siebeschaffen sei, sind die Emissionsgewinne mit inbegriffen, welche überhaupt nicht

*) Schmalenbach, Zeitschrift für handelswissenschaftl. Forschung. Bd. II. S. 242.

2 ) Hypothekenbankgesetz vom 13. Juli 1899, § 29 ff.

3 ) Vgl. Weyermann, Die statistischen Versuche einer Erfassung des Volksver-mögens (Zeitschrift f. Schweiz. Statistik 51. Jahrg. 1. H.) 1915.

4 ) Karl HelfferTCh, Deutschlands Volkswohlstand 18881913. 6. Aufl. Berlin, G.Stilke 1915. Arnold Steinmann-Bucher, Das reiche Deutschland. 1914.