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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
108
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108 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. Ii

unerläßlich. Die Anleihen von Aktiengesellschaften haben den Vorzug, daß Bilanzenund Geschäftsberichte einen gewissen Einblick in die Verhältnisse des Schuldnersermöglichen. Dagegen fehlt jede derartige Einsicht bei Privatfirmen und Gesellschafter!m. b. H. Deshalb hat die Zulassungsstelle der Berliner Börse neuerdings die Zulassungletzterer Anleihen überhaupt verweigert. Die Möglichkeit, auf dem ObligationswegeAnlagekapital zu beschaffen, ist demnach ein Vorteil der Aktien gesellschaftund damit des Großunternehmens; sie wirkt kapitalzusammenballend, insbesonderezugunsten der schweren Industrie. Zweck der Obligation ist Kapitalerweiterung,gelegentlich auch Verlustdeckung 1 ). Da beiden Zwecken auch die Aktienausgabedient, so ist für Emittenten wie Anleger die Frage wichtig: Welcher wirtschaftlichenFunktion dient die Obligation, welcher die Aktie? Sie ist dahin zu beantworten,daß die Aktie dem Gründungskapital, die Obligation dem Erweiterungskapitaldient, soweit das Unternehmen bereits einen sicheren Minimalgewinn abwirft. DieObligationen sind also auf sicherem und periodischem Minimalertrag aufzubauen.Daher sind ungesund Obligationen von Terraingesellschaften, deren Gewinn,weil spekulativ, weder sicher, noch periodisch ist; nicht minder ungesund sind Ob-ligationen von Finanzierungsgesellschaften. Unfug vieler Kali-Obligationen! Viel-fach wurde den Gewerken die gesetzliche Zubußepflicht dadurch schmackhaftergemacht, daß man die einzuzahlenden Gelder zu verzinsen versprach und ihnendafür Obligationstitel aushändigte, die sie als höchst zweifelhafte Werte auf denMarkt abschoben. Manche Kaliwerke, welche die Kuxe oder Aktien der zu gründendenTochterwerke übernahmen, verschafften sich das ganze K,apital der Neugründungendurch Obligationen. Erste Kapitalbeschaffung auf dem Wege der Obligation istallemal schwindelhaft. Die Schwäche des Leihkapitalisten offenbart sich geradebei den Obligationen: Das Interesse der emittierenden Bank ist mit dem Schuldnermeist eng verbunden und entgegen dem Interesse der Obligationäre auf Abstoßungvon Bankschulden gerichtet.

Einer besonderen Beurteilung unterliegen die Bankobligationen, wiesie bei der Darmstädter Bank ursprünglich vorgesehen waren, aber nicht ausgegebenwurden. In der Schweiz heute üblich, fehlen sie auf dem deutschen Kurszettel.Es ist das nicht zu bedauern. Der Zins für Obligationen mit langer Kündigungsfrist,etwa 4)44%%, wäre zu hoch, um im regulären Bankgeschäft verdient zu werden.Das Emissionsgeschäft käme als wichtigste Grundlage dieser Obligationen in Be-tracht; hier aber sind die Gewinnchancen zu wechselnd, um eine Grundlage festerZinszahlung abzugeben. Die Vermehrung des Bankkapitals geschieht gesunder-weise durch junge Aktien, um so mehr, als im äußersten Falle das Aktienkapital,nicht das Obligationskapital zusammengelegt werden kann.

In welchem Maße heute die privatrechtlichen Anleihen (Pfandbriefe Obli-gationen) den öffentlich-rechtlichen Konkurrenz machen, ergibt nachstehende Ta-belle (in Millionen Mk.) 2 ) im Vergleich mit der vorhergehenden.

Ende

Landschaftl.

Hypothekenbank-

Pfandbriefe

Industrie-

Pfandbriefe

Pfandbriefe

anderer Institute Obligationen

1880

1275

1 452

400

400

1885

1600

1 884

450

600

1890

1975

2 927

500

1000

1895

2200

4 722

570

1500

1900

2715

6 362

866

2100

1905

3185

8 227

1357

2700

1910

3490 (1909)

10316

1871

3964

Der Gesamtumlauf der deutschen festverzinslichen Werte belief sich am 1. Jan.1913 auf 48,3 Milliarden Mk., davon entfielen auf Industrieobügationen 4,6 Mil-

*) So Felix Hecht, Geldmarkt und Bankwesen. (Schriften des Ver. f. Sozialpolitik,Bd. 113. S. 142.)

2 ) Hirschstein . Festverzinsliche Ansprüche an den Kapitalmarkt. Bank 1912.S. 105763.