Druckschrift 
Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
109
Einzelbild herunterladen
 

II

Bankgeschäfte.

109

liarden, d. h. ca. 10%. Von den einzelnen Gewerbezweigen war vor allem an derAusgabe von Obligationen besonders stark beteiligt die Montanindustrie, die mit1,32 Milliarden Mk. Obligationenumlauf etwa 29% des Gesamtumlaufes ausmacht.Eine Untergruppe der Montanindustrie, die Kaliindustrie, hat bei nur 96 Aus-stellern einen Obligationenumlauf von 231,9 Mill. Mk. Die Voll-, Klein- undStraßenbahnen sind mit 532,6 Mill. Mk., d. h. mit 11,6% am Gesamtobligationen-umlauf beteiligt.

b) Dividendenpapiere. 1. Aktien sind Effekten, welche teils auf Namen alsOrderpapiere (HGB. §222 Abs. 1 und 3), teils auf den Inhaber gestelltMitgliedsrechteeiner Aktiengesellschaft einschließlich des Anspruchs auf Ertragsbeteiligung ver-briefen. Die Verpflichtung des Aktionärs gegenüber der Gesellschaft wird durchden Nennbetrag der Aktie begrenzt. In der Bilanz erscheint das Aktienkapital alsPassivum, da diese Bilanz Gewinnbilanz sein soll, und das Aktienkapital vor Aus-schüttung als Gewinn zu sichern ist. Das Aktienkapital ist als Eigenkapital des Unter-nehmens zugleich Sicherheit für die Gläubiger des Unternehmens. Daher ist eineAmortisation von Aktien, die nicht im Gesellschaftsvertrag gestattet wird, verboten;durch willkürliche Verminderung des Aktienkapitals würden den Gläubigern Be-friedigungsobjekte entzogen. HGB. 227. Nach § 226 desselben Gesetzes solldie Aktiengesellschaft ihre eigenen Aktien weder erwerben, noch in Pfand nehmen,soweit es sich nicht um Einkaufskommission handelt. Dieser Satz ist für unsereKreditbanken von Bedeutung, da sie in ihren eigenen Aktien zu spekulierenvielfach versucht sind.

Die der Aktie beigegebenen Dividendenscheine verbriefen einen An-teil am Gesellschaftsgewinn, dagegen nicht eine bestimmte Ertragsquote. Invielen Fällen regelt heute eine bewußteDividendenpolitik" die Höhe der Divi-denden, die mit der Gewinnhöhe nichts mehr zu tun hat. Hohe Gewinne ver-steckt man in stille Reserven. Diese Stauweiher unverteilter Gewinne öffnen sichunter Umständen und speisen die Dividenden, um zu zeigen, daß Verluste dasUnternehmen nicht zu schwer getroffen haben. In anderen Fällen wird die Divi-dende aus den Reserven erhöht, um beabsichtigte Emissionen junger Aktien durchKurssteigerung der Aktien vorzubereiten, oder auch, um bei künftigen Fusionendas eigene Unternehmen möglichst hoch einzubringen. Bei Auflösung der Gesell-schaft besteht ein Recht der Aktionäre auf die Liquidationsquote (HGB. § 300).

Im Jahre 1911 gab es 14,23 Milliarden deutscher Aktien, wovon 8,8 Milliardenan der Berliner Börse gehandelt wurden. Letztere repräsentierten einen nahezudoppelt so großen Kurswert (25,57 Milliarden), wobei der Kurswert als Durch-schnittskurs des Jahres berechnet war. Folgende Tabelle faßt die Ergebnisse despreußischen Statistischen Landesamtes für Preußen zusammen:

Zahl der Eingezahltes Aktien- ... n rrh JahresgewinnGesell- kapital in Millionen -»».meb-iir« in Mill. vom Nenn- vom Kurs-schaften Nennwert Kurswert Mark wert wert

1911 890 8821 15 696 177,9 952 10,8 6,1

Davon entfielen auf die preußischen Gesellschaften:

1909 648 6008 10 172 169,3 626 10,4 6,2

1910 668 6379 11 488 180,1 698 10,9 6,1

1911 674 6698 12 257 183,0 729 10,9 5,9

Im Mittel des Jahres 1911 ergibt sich der Durchschnittskurs von 177,9%. Dieseshohe Agio ist bezeichnend für den in Deutschland vorherrschenden Grundsatz derReservestärkung. An Hand der preußischen Gesellschaften sieht man, wie von190911 unter dem Einfluß der Konjunkturbesserung der Durchschnittskurs um13,7% gestiegen ist. Diese Kurssteigerung ist der Rentabilität ziemlich stark voran-geeilt; unter Berücksichtigung des Kurses ist nämlich der Jahresgewinn von 6,2%auf 5,9% zurückgegangen. Dabei ist letzterer noch erheblich höher als dietatsächlich ausgezahlte Dividende; denn vor der Dividendenzahlung sind die

,k .