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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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II

Bankgeschäfte.

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wie leicht wäre jeder derartige Paragraph durch Strohmänner zu umgehen! Viel wirk-samer ist die Verstärkung des kaufmännischen Ehr- und Standesgefühls, dessen diehomines novi unserer Bankwelt manchmal entbehren.

b) Effektenarbitrage. Ein durchaus bankmäßiges Nebengeschäftist dagegen die Effekten a r b i t r a g e, d. h. die Ausnutzung interlokaler Preis-differenzen. Dieses Geschäft ist als Arbitrage unspekulativ.Der ideale Arbitrageurgeht täglich glatt von der Börse." Durch das Telephon sind die örtlichen Preis-verschiedenheiten, wenigstens der europäischen Börsen, nahezu ausgeglichen. Ef-fektenarbitrage erfordert also größte Umsätze bei geringem, aber sicherem Gewinn;sie ist Sache der Kapitalmagnaten, also bei uns der Großbanken. Indem unsereGroßbanken Effektenarbitrage treiben, dienen sie einer wichtigen volkswirtschaft-lichen Funktion: der Ausgleichung der Zahlungsbilanz, der Erleichterung des Geld-marktes, dem Schutze des nationalen Edelmetallbesitzes. Arbitrage ist nur möglichzwischen zwei breiten Märkten, auf denen man sicher ist, große runde Quanten zubekommen und loszuwerden, ohne die Kurse zu beeinflussen. Daher ist die Effekten-arbitrage tatsächlich an das Termingeschäft weniger internationaler Papiere ge-bunden. Zwei Banken an verschiedenen Börsenplätzen verbinden sich gewöhnlichzu Arbitragegeschäften in der Weise, daß die eine kauft, die andere dasselbe Papierin gleicher Menge zu gleichem Termine verkauft. Nutzen und Schaden wird ge-teilt. Nur soweit die Effekten in natura versandt werden, wird ein Einfluß auf dieZahlungsbilanz der beiden in Betracht kommenden Länder geübt; bei entgegen-gesetztem Termingeschäft ohne Effektenversand auf beiden Seiten handelt es sichlediglich um internationale Ausgleichung der Effektenkurse. Das Geschäft bleibtArbitrage, solange an beiden Orten zugleich realisiert wird. Freilich bestehtstets die Möglichkeit, auf einer Seite allein zu realisieren, um einen Spekulations-gewinn mitzunehmen, und auf der anderen Seite alsdann spekulativ fortzufahren.Aeußerlich unterscheidet sich das Geschäft nicht von der Terminspekulation. In-folge der hohen Umsatzsteuer ist die Effektenarbitrage stark zurückgegangen, dadie Gold- und Wechselarbitrage meist rentabler ist 1 ).

c) Anlage von Bankkapital in Effekten. Ebensowenig wie spekulativer Effekten-kauf und -verkauf ist im allgemeinen dauernder Effek'tenbesitz zu An-lagezwecken Sache der Kreditbank. Anlagegesellschaften, welche Effekten zwecksZinsgenusses und Gefahrenverteilung dauernd besitzen, sind keine Kreditvermittler,sondern Kreditgeber sie sind keine Banken, sondern vergesellschaftete Leihkapi-talisten. Es gibt jedoch erhebliche Ausnahmen dieses Satzes. Bankmäßig ist zu-nächst der Besitz der Aktien anderer Banken, welcher eine beliebteForm der Bankenkonzentration und der Beherrschung der einen Bank durch dieandere darstellt. Auch im übrigen sind Effektenbestände, soweit sie sich in ge-wissen Grenzen halten, nicht bankwidrig, sei es zwecks Anlage von Reserven, sei es,daß es sich um Bestände aus unabgewickelten Konsortialgeschäften handelt. Hierzukommen die sog.T a f e 1 b e s t ä n d e", d. h. Vorräte zu Zwecken des Kom-missionsgeschäfts, wie selbst, die Reichsbank derartige, allerdings geringfügigeEffektenbestände in ihrer Abteilung für Wertpapiere besitzt.

Die Effektenbestände der deutschen Kreditbanken sind tatsächlich nach Bi-lanzausweisen nicht unerheblich. Am 31. Dezember 1908 verfügten die BerlinerGroßbanken über 320 Millionen Mk., die 44 größten Provinzbanken über 267 Mil-lionen Effekten; die Effektenanlage belief sich auf 5% der Vermögensanlage bei derGesamtheit der deutschen Kreditbanken. Rieß er erklärt etwa 50% dieser Anlagefür leicht realisierbar, eine Schätzung, die der Deutsche Oekonomist für zu hochansieht. Für die Berliner Großbanken zeigt nachstehende Tabelle die Effekten-anlage für den 31. Dez. 1913 (mit Ausnahme der Berliner Handelsgesellschaft, welchekeine diesbezüglichen Anlagen macht).

i) R. Stern, Die Arbitrage im Bank- und Börsenwesen. Leipzig, Göschen 1901.v. Speyr, Bankarchiv VIII. 1908/09. S. 367.

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v. Sehulze-Gaevernitz, Kreditbank.