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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
118
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Hg G. v. Schulz e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. * II

Eine weitere Sicherheit suchen die Banken für den Fall, daß der Kunde auf Kreditspekuliert, inEinschüssen" und bei Kursschwankungen inNachschüssen". Ob-gleich die betreffenden Bestimmungen der Geschäftsbedingungen manchmal rigorosgehandhabt werden, wenn etwa die Bank den Nachschuß zu plötzlich verlangt unddamit den Kunden aus derStellung wirft", so liegt es doch im allgemeinen In-teresse, daß die Banken sich gegen unglückliche Spekulationen der Kunden sichern,um nicht selber in spekulative Engagements verwickelt zu werden.

Mancherlei Gefahren und Auswüchse des Kommissionsgeschäfts beruhen aufder Verbindung mit dem Emissionsgeschäft, noch schwerere Gefahren auf der Ver-bindung mit den Eigenspekulationen der Bank. Erstere Verbindung ist als bank-mäßig zu beurteilen, soweit man die Arbeitsvereinigung im deutschen Bankwesenüberhaupt bejaht. Der Emittent setzt auf dem Wege eines vielverzweigten Systemsvon Filialen und Konzernbanken seine eigenen Emissionswerte als Kommissionärab. Gerade der gewissenhafte Emittent empfiehlt seinen .Kunden Werte, an die erals Emittent auf Grund der Prüfung ihrer Verhältnisseglaubt". Er dient zugleichseinen Kommittenten dadurch, daß er den Kurs der Papiere reguliert, vielleichtauch den inneren Geschäftsbetrieb des emittierten Unternehmens beaufsichtigt.Der Kommissonär ist verpflichtet, etwaige Mängel des Gründungsvorganges, dieihm als Emittenten bekannt sind, dem Kommittenten mitzuteilen. Freilich istnicht jeder erhebliche Emissionsgewinn bereits unreell. Ein eingebrachtes Berg-werk kann z. B. dadurch erst wertvoll werden, daß esemittiert" wird l ). Dagegendroht eine Gefahr, die gesetzlich kaum abzuwehren ist: Der den Kurs beherrschendeEmittent kann nur zu leicht die Kurse gegen den Kunden beeinflussen, als Ein-kaufskommissionär die Kurse heben, als Verkaufskommissionär die Kurse drücken.Die Gefahr besteht besonders bei kleinen Papieren und den stets gefährlichenBestens'-Aufträgen der Kundschaft. DieKurspolitik" der deutschen Kredit-bank dient weiteren Zielen als der Ausnutzung solcher kleinlichen Kursschwan-kungen; sie braucht das Vertrauen des schutzverwandten Publikums für künftigeEmissionen dieses Vertrauen ist ein Kapital, das, nur im Laufe der Jahre er-worben, schnell verloren wird.

Durchaus bankwidrig ist die Verbindung von Kommissionsgeschäft und Eigen-spekulation. Spekulanten verlocken durch Vorspiegelungen aller Art den uner-fahrenen Kunden zum KommissionsauftragAnimierbanken". Indem sie demKundenstille halten", d. h. systematisch Deckungsgeschäfte unterlassen, alsogegen den Kunden spekulieren, bekunden sie, daß sie selber an die von ihnenerteilten Ratschläge nicht glauben. Nicht selten sind derartige Betriebe von vorn-herein auf Unpfändbarkeit eingerichtet durch Möbelleihverträge u. ä. Ausländische, aber nicht nur ausländische! vor allem Londoner Winkelfirmen haltenan deutschen Börsenplätzen sogenannteRemissiers", Agenten, welche die fest-ländischen Schäflein zur Schur treiben. Der Hausierhandel in Wertpapieren nebenHosenträgern, Schokolade ist zwar durch die Gewerbeordnung verboten (G.O. § 56,148), steht aber bis in die abgelegensten Landorte in Blüte 2 ). Der Kampf gegenderartige Auswüchse des Kommissionsgeschäfts ist Sache der Fachpresse und der Be-rufsvertretung des Bankgewerbes, wobei beide zusammenstehen sollten. Vielleichthängt die Verstrickung des Kommissionsgeschäfts in die E.igenspekülationen derKommissionäre teilweise auch mit zu niedrigen Kommissionsgebühren zusammen,so daß die Erhöhung dieser Gebühren durch Konditionenkartell den Anreiz zurSpekulation mindern würde.

In engem Zusammenhange mit dem Kommissionsgeschäft steht das Auf-bewahrungsgeschäftDepotgeschäft" (scharf zu scheiden

*) Plutus v. 6. Aug. 1910.

a ) Bank, herausgegeben, von Lansburgh. 1908. S. 891 (Bankgeschäfte im Umher-ziehen).