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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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122 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. II

ausgeht; aber sie ist unentbehrlich, um die in der Hochkonjunktur verschlechterteBankliquidität wieder herzustellen.

Träger unseres Emissionsgeschäfts sind vor allem unsere Großbanken. Alsangesehene, öffentliche, auf die Dauer berechnete Institute haben sie allen Anlaß,bei der gegenwärtigen Emission schon an die künftige zu denken und das Vertrauendes Publikums zu pflegen. Hinsichtlich desEmissionskredits" trifftdie öffentliche Meinung im ganzen meist das Richtige und läßt sich nur zeitweiseirreführen 1 ). Die Großbank gründet und leitet, die Provinzbank wird am Geschäftbeteiligt und vertreibt die Papiere. Der Grundsatz der Risikoverteilung verlangtzahlreiche Effektenemissionen, geringe Beteiligung an jeder einzelnen. Die selb-ständige, ohne Großbank-Anlehnung arbeitende Provinzbank erhält das örtliche,aber auch das schlechtere Emissionsmaterial. Die Provinzbank hat nicht die weit-gehende Kompensationsmöglichkeit, wodurch selbst schwere Fehler abgeschwächtwerden können. Nach Christians 2 ) sindbei den Aktienemissionen'der großenMehrzahl der kleinen und mittleren Firmen mächtige Entwertungen stehendeRegel". Auch neuerdings sind außerordentliche Gewinne durch außerordentlicheVerluste vielfach wieder aufgezehrt worden. Zum Teil finanzieren unsere Groß-banken durch besondere, von ihnen abhängige Finanzierungs-Gesellschaften. Hierzurechnen vor allem überseeische Land- und Minenunternehmungen. Ein Beispieleiner solchen Finanzierungsgesellschaft, welche nichts anderes als eine Filiale einerGroßbank ist, bot die Internationale Bohrgesellschaft (Erkelenz ), welche zahlreicheBergwerkgerechtsame erwarb, auf Grund deren sie Aktiengesellschaften gründete.Ihre Aktien, auf die sie wiederholt mehrere 100% Dividendenverteilte", befindensich im Besitz des Schaaffhausenschen Bankvereins. Nicht selten werden geradedie schlechteren Emissionswerte an solche Tochtergesellschaften abgeschoben,um den Ehrenschild der Mutter rein zu halten 3 ). Die Verteilung des Risikos istdann nur eine scheinbare. Was sich hinter demDebitor" in der Bilanz versteckt,ist völlig undurchsichtig.

An Stelle des einzelnen Emittenten sind heute überwiegend Gesellschaftenvon Emittenten,K onsortie n", getreten, welche das Risiko der Emission aufmehrere Schultern verteilen; daher wird das Emissionsgeschäft geradezu auch alsKonsortialgeschäft" bezeichnet. Das Konsortium als Gesellschaft nach BGB. bestehtzunächst in der Verabredung, Wertpapiere nach gemeinschaftlichem Plan und aufgemeinsame Rechnung meist nicht unter bestimmtem Preise zu verkaufen.Der Leiter des Konsortiums steht bei dieser einfachsten Konsortialform dem Kredit-nehmer als alleiniger Kontrahent gegenüber. In diesem Falle spricht man vonV erwertungskonsortien". Eine höhere Form des Konsortiums um-schließt die Konsorten als gemeinsame Kontrahenten zu bestimmten Quoten, häufigunter Solidarhaft gegenüber dem Kreditnehmer. Das Interesse der Banken istes, die Solidarhaft auszuschließen und jeden Konsorten nur für seine Quote haftenzu lassen. In diesem Falle spricht man vonU ebernahmekonsortie n".Eine noch höhere Form erreichen die Konsortien dort, wo sie zu dauernden Ein-richtungen für Emissionen bestimmter Art geworden sind, welche oft langdauerndeund weitschichtige Vorbereitungen für künftige Emissionen vornehmen: Bank-syndikate. In letzter Linie neigen die Konsortien zu Preiskonventionenmit monopolistischem Charakter 4 ). Es gibt einige Konsortien, welche nahezu alleGroßbanken vereinigen, wie z. B. das Konsortium für ostasiatisches Geschäft, dasdem Auslande gegenüber die deutsche Emissionskraft geschlossen verkörpert.

x ) Steinberg, Die Konzentration im Bankgewerbe. Berlin 1906. S. 25, 46.

2 ) Christians, Die deutschen Emissionshäuser und ihre Emissionen in den Jahren1886 bis 1891. Berlin 1893.

3 ) Plutus v. 10. Dez. 1910.

4 ) Adler, Die Abwicklung von Banksyndikats- oder Konsortialgeschäften (Zeitschr.für handelswiss. Forschung. Bd. IV. S. 587. Bd. V. S. 171).