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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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III

Bankenaufbau.

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Säuberungs- und Abschreibungsprozeß unter Ersparnis von Kosten und Stempelfür Aktienaustausch oder Neuemission.

3.Interessengemeinschaft" zwischen Großbanken und Bankengruppen

bedeutet den höchsten Punkt der Bankenkonzentration. Der gegenwärtige Standder Entwicklung zeigt eine Fülle von Ansätzen in dieser Richtung: vielfach weit-reichende Verständigung unter den Großbanken, während ihre Konzernbankenin der Provinz noch in scharfem Wettbewerb stehen. Zu nennen sind hier mehroder minder feste Interessengemeinschaften für das Finanzierungsgeschäft:Bank-konsortien", z.B. für die elektrische Industrie, für gewisse überseeische Ge-schäfte, für den heimischen Staatskredit, so Preußengruppe, Rothschildgruppe,Türkenkonsortium, ostasiatisches Konsortium. Diese Konsortien sind unvermeidlichbei Geschäften, die über die Kapitalkraft der einzelnen Großbank hinausgehen.Derartige Bankkonsortien neigen zu Preiskonventionen. So suchte die Darm-städter Bank mit der Stadt Berlin einen Vertrag zur Verwertung des Tempelhofer Feldes abzuschließen, wobei die Stadt an dem Gewinne mit 10% beteiligt seinsollte J ). Später, nachdem die Deutsche Bank das Geschäft mit der GemeindeTempelhof gemacht hatte, tauchte die Darmstädter Bank auch im Konsortiumder Deutschen Bank auf. Hätte zufällig die Stadt Berlin vom Kriegsministeriumden Zuschlag erhalten, so wären wahrscheinlich neben der Darmstädter Bank auchdie Deutsche und die Dresdner Bank auf dem Plane erschienen. Die Uebernahme-bedingungen wären in beiden Fällen wohl nicht sehr verschieden gewesen.

4. Ueber derartige Interessengemeinschaften hinaus führen die neuerlichen Ver-abredungen, welche im regulären Bankgeschäft eine Beschränkung des Wettbe-werbs bezwecken:Konditionenkartell". Dieselben gingen von den Berliner Groß-banken aus und werden schrittweise auf die angegliederte Provinz übertragen.Die Verabredungen betreffen: Depotgebühren, Inkassogebühren, Effektenkom-missionen, Akzeptprovisionen, Lombard und Avalprovisionen, Depositenzinsen,Mimmalbeträge für die Hereinnahme von Ultimogeldern, Deckungsmargen fürspekulative Effektenkonten usw. Sie decken also nahezu den ganzen Kreis desregulären Bankgeschäfts. Ihrer Durchführung stehen erhebliche Schwierigkeitenim Wege; z. B. sind die Voraussetzungen für die Beschaffung fremder Gelder bei deneinzelnen Banken sehr verschieden. Bei gleicher Sicherheit muß die mehr lokaleBank hierfür höhere Zinsen aufwenden als eine andere Bank mit Weltruf und weit-verzweigtem Filialnetz. Keine Bankenvereinigung der Welt kann Zinssätze fest-stellen, die mit den tatsächlichen Verhältnissen des Geldmarktes in Widerspruchstehen; der Diskontsatz ist'auf die Dauer unkartellierbar 2 ). Immerhin gehen dieAllgemeinen Abmachungen", welche im Sommer 1913 zum Abschluß kamen,so weit, daß nach ihrer Durchführung von einer freien Konkurrenz im Bankgewerbekaum mehr die Rede sein kann. Ihre Durchführung muß die Unterwerfung der nochunabhängigen Provinz unter die Uebermacht Berlins beschleunigen.

5. Dagegen sind wir von einer vollen kartellmäßigen Zusammenfassung des deut-schen Bankgewerbes:Bankentrust" noch entfernt. In der Provinz (Württemberg )sind gelegentlich monopolistische Tendenzen zu vollem Durchbrach gelangt. Inder Hauptstadt stehen heute noch selbständig nebeneinander etwa 8 Großbankenmit ihren die Provinz überdeckenden Bankgrappen. Jene werden z. T. durchRangstreitigkeiten Deutsche Bank und Diskontogesellschaft, z. T. durch per-sönliche Abneigungen Deutsche Bank und Dresdner Bank auseinander gehalten.Aber im Unterbewußtsein greift das Gefühl der Solidarität und Zusammengehörig-keit stärker um sich 8 ). Als gleichberechtigte Mächte stehen den Großbanken zurSeite die beiden großen Berliner Privatfirmen Großbanken mit persönlichem

*) Berliner Morgenpost v. 30. Oktober 1910.

2 ) Frankfurter Zeitung vom 21. April 1913, vom 3. und 18. Juni 1913.

s ) Deutscher Oekonomist 1901. S. 461. Wal lieh, Die Konzentration im deutschen

Bankwesen. Stuttgart u. Berlin 1905. S. 92.