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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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140
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140 G. v. Schulz e-Gaevernitz, Die deutsche Kreditbank. m

Einschlag und die einflußreichen staatlichen Institute: Reichsbank, Seehand-lung, Zentralgenossenschaftskasse. Es ist sehr wohl denkbar, daß von den klei-neren Großbanken die eine oder die andere in einer mächtigeren Großbank aufgeht.Die Interessengemeinschaft der Dresdner Bank und des Schaaffhausensclien Bank-vereins, die von vielen als der erste Schritt zum allumfassenden deutschen Banken-kartell angesehen wurde, ist auseinandergebrochen; es fehlte der übermächtigeWille! Dieser war vorhanden, als die Diskontogesellschaft den SchaaffhausenschenBankverein sich einverleibte; die hilfsbedürftige und schwächere Bank vererbtealtberühmten Namen und alteingewurzelte Industriekundschaft der sanierendenGrößtbank. Andererseits wird eine Erweiterung des Kreises der Großbanken durchden Eintritt neuer Mitglieder immer schwieriger: es gibt kaum eine größere, nochunabhängige Provinzbank Mitteldeutsche Kreditanstalt?, der solche Zukunftbeschieden sein dürfte. So mißlang der 1896 gemachte Versuch der Breslauer Dis-kontogesellschaft, unter Aufnahme mehrerer Berliner Privatgeschäftean die Sonnedes Zentralplatzes zu gelangen", an der sie für einige Jahre zwar üppig gedieh: ihreDepositenkassen wurden Herde der Spekulation. Aber die Windsbraut des Jahres1900 hat sie ebenso schnell wieder hinweggefegt. Die Darmstädter Bank ist durchDernburg ihre Erbin geworden. DerFürstenkonzern", welcher zeitweise einegroßbankähnliche Stellung anstrebte, und zwar nicht Depositengelder, wohl aberLombardkredit in erheblichem Maße in Anspruch nahm, mußte nach einer Zeitstürmischer Ausdehnung Anschluß an die Deutsche Bank suchen. Von mancherSeite wird gehofft, daß ein Syndikat der Provinzbanker eine großbankähnlicheStellung erreichen könnte.

B. Statistik der Bankenkonzentration.

Die Bankenkonzentration erhellt nur unvollständig aus der Statistik.Um die Mitte des Jahrhunderts herrschte im Bankgewerbe der Zwergbetrieb (inPreußen kamen 1858 3 Personen auf einen Betrieb). Nach der Berufs- und Betriebs-zählung von 1907 wurden in der GewerbeklasseGeld- und Kredithandel" gezählt:

1882 1907

Betriebe 5879 13 971

davon Hauptbetriebe 4426 9 919

von letzteren waren Alleinbetriebe (ohne Gehilfen) 1252 1 071

Statt des erwarteten Rückgangs sogar erhebliche Zunahme der Hauptbetriebe!Diese Erscheinung erklärt sich z. T. daraus, daß die amtliche Erhebung nicht wirt-schaftliche Einheiten, sondern Betriebe zählt, ohne sich um deren innere Zusammen-hänge zu kümmern; so erscheint z. B. die Deutsche Bank mit jeder ihrer Filialenund Depositenkassen gesondert in der Statistik. Hierzu kommt, daß die neuere Ent-wicklung den Privatbanker zwar zermürbt, aber nicht vernichtet. Ein weiteresüberraschendes Ergebnis der Statistik ist das Anwachsen der Nebenbetriebe. DieseTatsache erklärt sich aus der Zunahme von Schiffahrtsagenten, Reisebureaux,Lotteriegeschäften usw., welche Geld- und Kreditgeschäfte nebenbei betreiben.Dagegen weist in die Richtung der Bankenkonzentration der Umstand hin, daß dieAnzahl der im Bankgewerbe beschäftigten Personen in höherem Verhältnis als dieZahl der Betriebe gestiegen ist.

1882

1907

Betriebe

5 879

13 971

beschäftigte Personen

21 633

66 275

davon weiblich

244

3 089

Das Verhältnis der leitenden Persönlichkeiten zum Personal entwickelte sichfolgendermaßen: Es entfielen auf 100 leitende Personen im Jahre 1882 rund 318,im Jahre 1907 nicht weniger als 873 Hilfskräfte. Auf Klein- und Mittelbetriebe(unter 20 Personen) kamen 1907: 35 527, auf Großbetriebe (über 20 Personen)