III
Bankenaufbau.
141
31 756 Erwerbstätige. 1907 gab es 3 Bankbetriebe mit über 1000 Beschäftigten x ).1912 hatte die Deutsche Bank 6 137, die Dresdner Bank 4 638 Beschäftigte. Sehrviel ergiebiger für die statistische Erfassung der Bankenkonzentration wäre eineStatistik der Aufsichtsratstelleh. Keine Ziffer verdeutlicht so sehr den Grad unsererBankenkonzentration als die Tatsache, daß die Dresdner Bank in den Aufsichts-räten. von etwa 200 Aktiengesellschaften vertreten ist.
C. Privatvvirtschaftliche Beurteilung der Bankenkonzentration.
a) Vorteile. Von einer technischen Ueberlegenheit des Großbetriebs im Bank-wesen ist nicht zu sprechen, indem vor allem die Arbeitsteilung nicht so weitgesteigert werden kann, als in der Industrie 2 ). Vielmehr sind es bestimmte privat-wirtschaftliche Erwägungen, welche unter gegebenen historischen Verhältnissendie eigenartigen Vorgänge unserer Bankenkonzentration verständlich machen:
1. Großbanken „gelten" für „sicherer" als Kleinbanken und Privatbanker— besonders seit dem Zusammenbruch zahlreicher Privatbanker zu Anfang derneunziger Jahre. Das Vertrauen, das die P er s o n des Privatbankers genoß, wirdnunmehr dem Kapital der Großbank entgegengebracht. Die Berliner Groß-banken hatten Ende 1910: 1% Milliarden Mk., die 37 größeren deutschen Pro-vinzbanken 1 Milliarde Mk. Depositen bei etwa gleichem Aktienkapital von je1,2 Milliarden Mk. (wobei nur Banken von über 10 Millionen Mk. Aktienkapitalgezählt sind). Schumacher bemerkt mit Kecht, daß bei unserem System derWunsch nach Ansammlung großer Depositenmassen auf Erhöhung des Aktien-kapitals hindrängt und die hohe Ziffer des Aktienkapitals wieder Depositen an-lockt 3 ). Das Patriziertum alter Namen wiegt heute weniger schwer als die Kapital-ziffer der Aktienbilanz.
2. Großbank-Akzept ist bekannter und marktgängiger, besonders auch imAuslande, und genießt daher den niederen Diskont. Das Akzeptenkonto der Groß-banken und der größeren Provinzbanken belief sich Ende 1910 zusammen auf etwa2 Milliarden Mk. gegenüber minimalen Beträgen bei Privatbankern und Kleinbanken,deren Geringfügigkeit gewiß nicht auf Mangel an Wollen, sondern an Können be-ruht.
3. Zahlreiche Gründe der Konzentration liegen im Effektengeschäft. Im Effek-tenkommissionsgeschäft kompensieren die Großbanken einen Teil der Aufträge„in sich" — und zwar bis 1900 ohne Steuer (heute halbe Steuer), wogegen die kleineren,auf Börsenvermittlung angewiesenen Banken durch die volle Umsatzsteuer belastetwerden. Wenn sich zwei iiiimitierte („Bestens"-) Aufträge mit gleichen Nominal-beträgen gegenüberstehen, so braucht die Bank solche Aufträge überhaupt nichtan die Makler weiterzugeben, weil durch sie eine Kursveränderung nicht ein-tritt. Wo limitierte Aufträge —• entweder auf einer Seite oder beiderseits —vorliegen, werden sie dem Makler zwar mitgeteilt und von ihm bei der Kursfest-setzung berücksichtigt, aber dann der Bank unausgeführt zurückgegeben und com-pensando erledigt. Daneben wirkte das Börsengesetz von 1896 bankkonzentrierend:Die Effektenspekulation zog sich großenteils von der deutschen Provinz ins Aus-land, wo die Filialen unserer Großbanken sie zum guten Teil aufnahmen. Durchdas Verbot des Termingeschäfts wurde das Kassageschäft gehoben; dieses abererfordert mehr Mittel bei gleichen Umsätzen, also, soweit mit Kredit spekuliertwird, größere Geldgeber. Hier konnten die Mittel- und Kleinbanken nicht mit-kommen, während die Großbanken sich durch Kapitalvermehrung stärkten. DerKonzentration diente auch die Bestimmung der Börsensteuer: Die Einlösung aus-
*) Statistik des Deutschen Reichs. Bd. 213. S. 142 ff. Berlin 1910.
2 ) E. v. P h i 1 i p p o v i c h, Grundriß der politischen Oekonomie. II. Bd. 2. Teil. 1.—3.Aufl. Tübingen 1907. S. 151.
3 ) Schmollers Jahrbuch 1906. S. 895. Plutus vom 15, Februar 1913.