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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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142
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142 G. v. Schulz e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. JII

gelöster Papiere ist nur dann nicht als Anschaffungsgeschäft zu versteuern, wennsie an den zur Einlösung bestimmten Stellen geschieht. Diese Stellen werden alsovom Publikum zur Einlösung bevorzugt; damit entgeht der Provinzbank öftersauch die Wiederanlage des betreffenden Geldes. Andere Vorteile der Großbankliegen auf dem Gebiete des Emissionsgeschäfts. Große Emissionen, wie sie dieeigentliche Großindustrie (Montanindustrie) bedarf, gehen über die Kräfte der Klein-und Mittelbanken hinaus. Die Großbank besitzt, je bedeutender sie ist, um so mehrabhängige Bankstellen und hat damit die stärkereEmissionskraft" für den Vertriebder Wertpapiere. Sie kann daher die günstigeren Uebernahmebedingungen stellen.Die Provinzbanken suchen Anlehnung an Großbanken zwecks Beteiligung an Emis-sionen und. erhaltenBonifikationen" für den Vertrieb der Effekten. Die Ueber-legenheit der Großbanken im Effektengeschäft offenbaren folgende Ziffern: Ende1910 hatten angelegt in:

Effekten ReportsKonsortialkonto

die 37 größeren Provinzbanken 339 Mill. Mk. 756 Mill. Mk. 81,6 Mill. Mk.

die 9 Berliner Großbanken 2691 Mill. Mk. 1519 Mill. Mk. 307,8 Mill. Mk. *)

4. Agio der Großbankaktien. Die Aktien der Großbanken weisen untersonst gleichen Bedingungen die höheren Kurse auf, weil sie marktgängigere Ware,vielfach Terminpapier sind; daher können die Großbanken unter besseren Be-dingungen ihre Kapitalien vergrößern als die Klein- und Mittelbanken. Indemsie ein hohesAgio" ihrer jungen Aktien erzielen, sind sie in der Lage, zu günstigerenUmtauschbedingungen Fusionen mit andern Banken zu vollziehen. Nicht mindersind sie in der Lage, aus dem Agio ihre Reserven zu stärken. In Krisen stehen in-folge erheblicherer Reserven die Großbanken wieder fester da und pflegen geradedannnotleidende" Schwesterinstitute aufzunehmen. So fand im Jahre 1873 ff. einebeträchtliche Anzahl vonEntgründungen" statt 2 ). DieKrisis von 1901/02 wirktenicht minder bankkonzentrierend: es verschwanden zweikleine" Großbanken(die Breslauer Diskontobank und die Deutsche Genossenschaftsbank), dagegenvermehrten die größten, die Diskontogesellschaft, die Deutsche Bank, die Darm-städter Bank, ihre Kapitalien; im Jahre 1901/02 wurden 41 neue Bankfilialengegründet 3 ). Die Verschmelzung der Norddeutschen Bank mit der Diskontoge-sellschaft bietet ein Beispiel für die bankenkonzentrierende Bedeutung des Aktien-agio. Die eigene Neuemission steht der Diskontogesellschaft alsPassivum mit Nominal-betrag zu Buch, aber sie erkaufte damit erheblich größere Beträge der Aktien deranzugliedernden Bank; sie nahm letztere Aktien in ihr Portefeuille auf und setztesie zum Nominalwertimmer noch weit unter ihrem Kurswert in das Aktivum.Sie gewann so die Differenz der Nominale für Abschreibungen und Reservestellungen.

5. Gefahrenverteilung. In letzter Linie flößt die Großbank insofern größeres Ver-trauen ein, als sie die mit allem Bankgeschäft untrennbar verknüpften Gefahrenauf eine erheblichere Anzahl von Aktiven verteilt. Soll kein einzelnes Engagementeinen bestimmten Prozentsatz des Eigenkapitals übersteigen, so kann jedes Engage-ment bei einer Großbank bedeutend stärker sein als bei einer Klein- oder Mittelbank.Millionenverluste, wie sie etwa die Deutsche Bank am Berliner Termingeschäft erlitt,hätten jede Provinzbank umgeworfen. Auf neue Erfindungen, auf überseeischeUnsicherheiten kann also von der Großbank eher etwas gewagt werden.

Bei den Größtbanken schafft die Teilnahme am gesamten Wirtschafts-leben des eigenen Volkes und darüber hinaus an dem aller Länder und Völker einebreite Grundlage der Insichversicherung. E's ist nicht zu erwarten, daß alle in

*) Der Internationale Volkswirt v. 30. April 1911.

2 ) W a 11 i c h , Die Konzentration im deutschen Bankwesen. (Münchener volkswirt-schaftl. Studien. Stück 74.) Stuttgart und Berlin 1905. S. 34 ff.

3 )E. Heinemann, Buchungsmethoden in Banken (Schriften des Ver. f. Sozial-politik, Bd. 110. S. 391/92). Wallich a. a. O. S. 133 ff.