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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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III

Bankenaufbau.

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Betracht kommenden Geschäftszweige oder Wirtschaftsgebiete gleichzeitig schlechtwerden. Kommt dabei das Gesetz der großen Zahlen zur Geltung, so verbürgt derallgemeine Fortschritt der deutschen Gesamtwirtschaft ein günstiges Gesamter-gebnis. Freilich ist der beispiellose Aufschwung unserer Gesamtwirtschaft, derunsere Bankwelt emporträgt, das zerbrechliche Gebilde nicht nur wirtschaftlicher,sondern eigenartiger politischer wie geistesgeschichtlicher Verursachungen, diezu glücklicher Stunde zusammentrafen. Ein Eingehen auf diese kulturellen Unter-lagen unserer Wirtschaftsgröße ist hier nicht am Orte. An der Verteidigung undFestigung der überwirtschaftlichen Grundlagen unseres Wirtschaftsaufschwungskönnen unsere Geschäftsleute alsKulturmenschen" soweit sie solche sindbeitragen.

b) Nachteile. Privatwirtschaftlich geurteilt, hat die Bankenkonzentrationgewiß nicht nur Lichtseiten. Je größer die Bank, um so schwieriger die Innen-organisation, weshalb die privatwirtschaftlichen Ergebnisse keineswegsim Verhältnis zur Vergrößerung des Bankbetriebes steigen *). Immer verzweigterwird die Arbeitsteilung im Innern, immer schwieriger die Zusammenarbeit und dieKontrolle.

1. Erschwerte Kontrolle. Zunächst kann durch Verfeinerung der auto-matischen Kontrollen nach amerikanischem Vorbild gewiß vieles ge-leistet werden: mechanisierte Aufbewahrung und Ordnung der Ergebnisse allerGedankenarbeit, wobei das menschliche Gedächtnis eine beschrankte Größe Inach Möglichkeit ausgeschaltet wird. Dem Ueberblick der Direktion kommt z. B. einetäglich aufzumachende interne Flüssigkeitstabelle zu Hilfe. Ihr Ergebnis ist derheutige Beichsbanksaldo und der voraussichtliche morgige Reichsbanksaldo derBank. Hierzu kommt der in kürzeren Zwischenräumen aufzustellendekonden-sierte Abschluß", welcher nachweist, wie die Bank stehen würde, wenn sie augenblick-lich liquidieren müßte. Neben solche mechanische Hilfsmittel tritt ein umfangreicherApparat persönlicher Kontrollen. Je größer daher das Institut,um so wichtiger der Ausbau der Kontrollinstanzen. Bei der Diskontogesellschaftist z. B. ein Stab von 25 Herren ununterbrochen tätig behufs rechnerischer und for-meller Prüfung. Er fragt u. a.: Sind die eingeräumten Kredite ziffernmäßig über-schritten worden? Die materielle Prüfung Güte der Debitoren? besorgt dieRevisionskommission des Aufsichtsrates. E i n Direktor der Zentrale ist alleindamit beschäftigt, die Filialen zu überwachen, ihren Effektenbestand, sowie dieBelastung der einzelnen Debitoren usw. zu verfolgen. Trotzdem bleibt die Gefahrbestehen, daß Betrüger oder Phantasten sich einnisten!

2. Die Vergrößerung der Betriebe bedeutet weiterhin eine psychologische Um-schichtung des Menschenmaterials. Der homo oeconomicus britischen Geprägeszieht sich auf das Altenteil zurück, der Beamte deutsch -preußischer Vergangen-heit ergreift an seiner Stelle die Zügel der Wirtschaftswelt. Darum fordert die neuerePrivatwirtschaftswissenschaft mit Recht die Konkretisierung jenes blassen Typusdes Wirtschaftsmenschen, mit dem Ricardo arbeitet.

a. Bankenleiter. Die Männer an der Spitze unserer Riesenbankbetriebe stehennicht viel anders zu ihremInstitut" als der Minister zum Staate einem objektivenWerte, der weit über die Lebensdauer und das persönliche Interesse des einzelnenHerrschers hinausdienstliche" Unterordnung erheischt. Auch hier die Entwicklungvoml'etat c'est moi" zumpremier serviteur"! Das Prinzip der Werkfort-setzung verdrängt das Prinzip größtmöglichen Augenblickgewinns. MöglichsteBefreiung der leitenden Köpfe vom Aktenstaube, weitschauende Verfolgung derallgemeinen Wirtschaftsverhältnisse, Kräftesammlung durch Jahrzehnte, lang-sichtige Vorbereitung, aber schließlich Energie der großen Schläge alle diese

*) Vgl. Conrads Jahrb. III. F. Bd. 44. Jena 1912: K. Müller-Wernberg, DasBankkapital und seine Dividende. S. 631 ff. Ewald Moll , Die Rentabilität der A.-Gesell-schaften. Jena, O. Fischer, 1908.