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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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III

Bankenaufbau.

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banken weder durch Notenkontingent, noch durch Deckungsvorschriften gehemmt.Unser Kreditbankwesen ist demnach ein zweischneidiges Instrument produktivund spekulativ zugleich. Alles kommt darauf an, welcher Art die Männer sind,die sich seiner bedienen, ob sie auf denRaubbau" der größtmöglichen Gewinnezugunsten des Frinzips der Werkfortsetzung verzichten, und ob sie über privat-wirtschaftliche Gesichtspunkte hinaus v o 1 k s wirtschaftliche Ziele kennen undberücksichtigen.

E. Sozialpolltische Bedeutung der Bankenkonzentration.

a) Die Bankbeamtenbewegung ergießt sich zunächst in das breite Bett derGewerkschaftsbewegung. Ihren Trägern erscheint dieAngestelltenfrage" zunächstwie jede Arbeiterfrage als eineMesser- und Gabelfrage". Selbstverständlichsollen die Milliarden deutschen Bankkapitals ihren Angestellten ein auskömmlichesDasein, Sicherung gegen Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter gewähren. Obgleichdie Bankangestellten verhältnismäßig spät in die gewerkschaftliche Bewegungeintraten, so sind doch gewerkschaftliche Methoden gerade bei der hochgesteigertenArbeitsteilung und der Gelerntheit des Berufes nicht aussichtslos. ProletarischeStreikbrecher sind unbrauchbar, auch wenn sie sich massenhaft anbieten. Auchdie Provinzbeamten sind nicht ohne weiteres in der Großstadt verwendbar. EineGroßbank aber kann es sich nicht leisten, wegen Arbeitseinstellung der Ange-stellten auch nur einen Tag stillzustehen. Die Verwaltungen werden solchen ge-werkschaftlichen Bestrebungen gegenüber auf die Dauer mit dem bloßen Herren-standpunkt nicht auskommen und sich wohl oder übel auf den Weg der Verhandlungund des Tarifvertrages welcher wenigstens für eine Reihe von Jahren vor neuenAnsprüchen sichert begeben müssen. In gewerkschaftlicher Richtung liegt auchdie Trennung der gelernten Berufsleistung von der unqualifizierten, rein mechanischenVerrichtung, in welche die Frauenarbeit hineinströmt, damit die Trennung derOberschicht von der proletarischen Unterschicht, sowie die Festlegung der Lehr-lingsziffer für den gelernten Beruf. Das Einjährigen-Zeugnis Pforte zum Bank-beamtenberuf ?

b) Bildungswesen. Darüber hinaus handelt es sich in der Angestelltenfrageum eine Bildungsfrage ersten Ranges. Berufsbildung allein vermag denBeamten aus stumpfer Routine emporzuheben und mit dem Gesamtüberblick ihmdie vielfach verlorene Berufsfreude wiederzugeben, welche das Spezialistentumim Ganzen verankert. Wie viele Bankbeamte (auch Direktoren ?) bleiben die Ant-wort auf die elementarsten Fragen des Bankwesens schuldig, die vielleicht nureine Tür weiter" bearbeitet werden. Mag ein unwissendes Proletariat fügsamersein, auf die Dauer ist ein gebildeter Mitarbeiter der wirkungsvollere. Die Einzel-heiten der Bildungsfrage gehen über den Rahmen dieser Arbeit hinaus. Man ver-gesse nicht: Die heutige Generation unserer Bankwelt stammt zum Teil noch aus derSchule des Mittel- und Privatbetriebes. In ihm wurde derEleve" besser undvielseitiger ausgebildet als in dem arbeitsteiligen Großbetriebe der Gegenwart.Nicht zufälligerweise wurde daher Mevissen, der Begründer der ersten deutschenGroßbank, gegen Ausgang seiner Laufbahn auch zum Begründer der ersten deutschenHandelshochschule. Im Gebiete des Unterrichtswesens ist Ersatz zu schaffenfür das, was die Praxis des Großbetriebes an Bildungskraft verliert J ).

Aber auch i.nn erhalb des Großbetriebes liegen gewiß noch reiche, un-ausgeschöpfte Bildungsmöglichkeiten, sobald man sich das Ziel setzt, Persön-lich k e i t s p f 1 e g e in die Arbeitsstätte zu verlegen. Ein süddeutscher Bankerschreibt darüber folgendes 2 ):Es fehlt vollständig der Kontakt zwischen den lei-tenden Persönlichkeiten und dem Personal, und gar manche Individualität, die

*) So H. Schumacher, Schmollers Jahrbuch 1906. S. 895.

2 ) Plutus vom 12. Juli 1913.