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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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154
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154 G. v. Schulz e-G aevemitz. Die deutsche Kreditbank. III

Schreibungen im Wege.Der dauernde Emissionsbedarf braucht hohes Agio, unddieses ist wieder an die Dividendenhöhe gebunden" 1 ).

B. Im einzelnen liegen die Verhältnisse ganz außerordentlich verschieden, jenach der Kapitalintensität der betreffenden Industrie und den üblichen Kredit-bedingungen der Industrie an ihre Abnehmer. Es dehnt sich hier ein bei weitemnoch nicht genügend bebautes Gebiet der monographischen Untersuchung aus. Wirmüssen uns mit wenigen Bemerkungen begnügen.

a)Schwere Industrie". Der Schwerpunkt der Industriebeziehungen unsererBanken liegt heute in derschweren Industrie". Die ersten großen Kartell-bildungen erfolgten zwar ohne entscheidende Mitwirkung der Banken: so1893 das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat, 1897 das Rheinisch-WestfälischeRoheisensyndikat. Dagegen haben die Banken von vornhereinwohlwollendeNeutralität" gegenüber den Kartellen geübt und später die Kartellierung, insbe-sondere den Stahlwerksverband, direkt gefördert. Durch Kreditentziehung oderAktienkauf hat man öfters Außenseiter in Kartelle hineingezwungen 2 ). Der Schaaff-hausensche Bankverein veranlaßte den ihm altbefreundeten Phönix zum Eintrittin den Stahlwerksverband. Die von der gleichen Großbank abhängige internationaleBohrgesellschaft vermied es, Grubenfelder an Außenseiter des Kartells zu verkaufen.In ähnlicher Weise hat die Dresdner Bank 1901 das Zementsyndikat befestigt.Wurden von den Banken Aufsichtsratstellen in denjenigen Montanunternehmungendurchgesetzt, welche in der Verwaltung der Syndikate eine leitende Stellung ein-nahmen, so traten umgekehrt die leitenden Kartellgrößen in die Aufsichtsräteder Großbanken ein.

Noch entscheidender war die Mitwirkung der Banken bei jenen Neubildungen,die innerhalb der Kartelle neuerdings über die Kartelle hinauswachsen, bei jenenKombinationen und Fusionen, durch welche einzelne Riesenunternehmungen alleStadien der Produktion vom Rohstoff bis zum hochverfeinerten Produkt sich an-gliedern:Vertikale Trusts". Vergrößerung der Großen! Einzelne dertechnisch besten unter ihnen sind von den Banken direkt geschaffen und zu lawinen-haftem Wachstum gebracht worden, z. B. Deutsch-Luxemburg. Von der Kohleund dem Erz griff Deutsch -Luxemburg über Halbzeug, Draht und Blech zum Eisen-bahnmaterialBreitenbach zahlt gute Preise" und darüber hinaus zum Schiffs-bau. Lothringen ist durch Bankenhilfe an die Spitze der deutschen Eisenindustriegetreten und hat reichen Kohlenbesitz im Ruhrgebiet erlangt:Die Kohle wurdedurch das Eisen überwunden." Andererseits erhöhte die Gelsenkirchener Bergwerks-gesellschaft mit Bankenhilfe ihr Kapital auf 156 Mill. Mk. Aktien und 70 Mill. Mk.Obligationen zwecks Erwerbung von Eisenwerken in Lothringen . Die Angliederungund Zusammenlegung von Industriewerken bewirkt die Mitübernahme der vor-handenen Bankverbindungen, so daß heute hinter den führenden Unternehmungen Gelsenkirchen, Deutsch -Luxemburg, Phönix u. a. eigentlich sämtliche Groß-banken stehen, unter Führung der einen oder der andern 3 ). Nicht zuletzt das Werkunserer Großbanken war es, wenn die deutsche Eisen- und Stahlindustriedie britische endgültig übergipfelte. Bedeutet das wachsende Abhängigkeit derIndustrie von Banken? Diese Frage ist bei der engen Verflechtung beider schwerzu beantworten. Auf der einen Seite schreibt nicht ohne Grund die Dresdner Bankin ihrem Geschäftsbericht für 1908:Die Konzentrationsbewegung und Verbands-bildung in der sog. schweren Industrie hat dieselbe unleugbar von den Banken u n-

*) Plutus vom 12. Juli 1913.

) O- Jei-dels, Das Verhältnis der deutschen Großbanken zur Industrie (SchmoliersForschungen Bd. 24. Leipzig 1905) S. 147/48, 256, F. Kestner, Der Organisationszwang.Berlin 1912. S. 123.

3 ) H. Völker, Vereinigungsformen und Interessenbeteiligungen in der deutschenGroßindustrie (Schmollers Jahrb. Bd. 33, H. 4. S. 11 ff.). Leipzig 1909. H. G. H e y m a n n,Die gemischten Werke im deutschen Großeisengewerbe. Stuttgart 1904. (Münchener Volks-wirtsch. Studien, Stück 65.)