III
Bankenaufbau.
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abhängig gemacht, und andererseits fällt den Banken mit der Steigerungdes nationalen Wohlstandes nicht mehr in demselben Maße wie früher diewirtschaftliche Aufgabe zu, zu industriellen Unternehmungen durch eigene Be-teiligung die Initiative zu ergreifen." Andererseits begleitete die Frankfurter Zeitung x )die Verschmelzung von Diskonto und Schaaffhausen mit folgenden Worten: „Mitder fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den manmit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Ab-hängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt. Beiden inneren Zusammenhängen zwischen Industrie und Finanz wird die Bewegungs-freiheit der auf Bankkapital angewiesenen Industriegesellschaften eingeschränkt.Deshalb begleitet die Großindustrie die zunehmende Vertrustung der Banken mitgemischten Gefühlen; zeigen sich doch schon mehrfach Ansätze zu gewissen Ab-machungen zwischen den einzelnen Großbankkonzernen, die auf eine Beschränkungdes Wettbewerbs hinauslaufen."
In der Kaliindustrie baut der private Finanzier seine Schlösser —nicht selten Luftschlösser! —so Männer, wie Ulrich, der 1911 zusammengebrocheneGründer von über 30 Gesellschaften. Mancher Privatbanker flüchtete aus demregulären Bankgeschäft auf jenes spekulative Gebiet. Hier wiederholten sich allejene Auswüchse der Gründerei, wie sie die 70er Jahre hervorgebracht hatten:„Gründung um der Gründung willen". „Auf dauernde Geschäftsverbindungen wirdkein Wert gelegt." Diesen privaten Gründern — aber nicht ihnen allein — ist eszuzuschreiben, wenn in der Kaliindustrie mehrere Hunderte von Millionen Mk. zuviel angelegt wurden — keine Kleinigkeit bei der Kapitalknappheit, unter der wirleiden! Daneben steht eine Anzahl von Provinzbanken der Kaliindustrie nahe, u. a.die Bergisch-Märkische, die Hannoversche Bank, die Mitteldeutsche Kreditbank ,der Essener Bankverein und die Essener Kreditanstalt. Aue h von den Banken wurdegelegentlich in unbankmäßiger Weise — u. a. unter Verpfändung des Zubußenan-spruchs und Aufhebung des Abandonrechts der Gewerken — Anlagekapital flüssiggemacht. „Bergwerke wurden mit englischem oder französischem Diskont gebaut."Immerhin sind diese Bankgründungen im Vergleich zu den erstgenannten dierbesseren:Die Banken halten länger durch und bringen die Kuxe meist erst bei Reife auf denMarkt; sie besitzen größere Kapitalkraft, um die gegründeten Werke weiter zustützen. Die Mehrzahl der in Betracht kommenden Banken steht dem Konzern der„Deutschen Bank" nahe, welche sich damit um den Wohlstand des bis dahin reinagraren Mitteldeutschland ein erhebliches Verdienst erwarb.
b) Chemische und elektrische Industrie. Für den deutschen Industriestaatder Gegenwart ist die Blüte der „wissenschaftlichen" Industrien besonders be-zeichnend. Die chemische Industrie ist ohne Bänkbeihilfe entstandenund durch reiche Gewinnaufspeicherung aus sich gewachsen. Neue Aktien werdenüberwiegend bei den alten Aktionären untergebracht 2 ). Die Mehrzahl der chemischenWerke ist bei keiner Bank verschuldet, ja sie sind Gläubiger der Banken fürBetriebsüberschüsse: „Die Verschuldung der Banken an die Industrie ist höher alsumgekehrt". Höchst, Griesheim, Casella legen ihre nach Millionen zählendenBetriebsreserven vielfach in Diskonten an der Frankfurter Börse an. Die badischeAnilin- und Sodafabrik alimentiert durch Einlagen die Mannheimer Banken. Dementspricht ein geringer Einfluß der Banken in den Aufsichtsräten der chemischenIndustrie. Wichtiger ist die Stellung der Banken in der elektrischen In-dustrie 3 ). Rathenau war ursprünglich der Mann der Idee ohne Geld undwurde von der Nationalbank für Deutschland und einigen Privatfirmen finanziert.