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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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178 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. III

liehst wiederholte, ist nicht vergeblich gewesen. Vielmehr war sie der Anlaß zueiner straffen Reformarbeit der Reichsbank mit dem Ziele der wirtschaftlichenKriegsbereitschaft. Erst seitdem lernten wir es auf eigenen Füßen zu stehen,militärisch wie finanzpolitisch!

c) Quartalschwierigkeiten. Krisen- und Kriegsgefahren sind demnach die wirk-lich bedenklichen Anlässe zu übermäßiger Inanspruchnahme der Reichsbank, welcheunser ganzes Kreditsystem in Frage stellen; dagegen sind regelmäßig wiederkehrendeQuartalschwierigkeiten durchaus zweiten Ranges und durch technische Mittelzu bekämpfen. Die Zusammendrängung der Zahlungen auf Quartalsende könntebei voll durchgeführtem Abrechnungsverkehr sogar ihre Vorteile haben und brauchtein diesem Falle den Status der Reichsbank überhaupt nicht zu berühren. Jeden-falls verdunkelt die Rücksicht auf dieschweren Termine" eine viel wichtigereFrage: die Frage der Krisen- und Kriegsbereitschaft als die Lebensfrage nichtnur der Reichsbank, sondern auch unserer Kreditbanken.

Die Lombardverteuerung gegen Quartalsende, durch welche die Reichsbanksich gegen die Quartalschwierigkeiten zu verteidigen suchte, hat viel Staub auf-gewirbelt. Diese Maßregel ist in erster Linie vom Standpunkt der Reichsbankaus zu beurteilen, was aus vorhegender Arbeit herausfällt. Von seiten unsererKreditbanken wird ausgeführt, daß die Lombardverteuerung zu Quartalsendeweniger die Großbanken als die Provinzbanken traf. Die Großbanken sind in derLage, den Zinsenaufschlag beim Effektenlombard durch Rediskontierung von Wech-seln zu vermeiden. Als Geldgeber haben sie dagegen, wenn nicht etwa große Emis-sionen bevorstehen, ein Interesfce anteurem Gelde". Durch den von der Reichs-bank eingeführten Quartalszuschlag gewannen sie die Möglichkeit, die Leihsätzefür Rörsengeld am Quartalsende heraufzusetzen. Außer der Börse waren Leid-tragende die Provinzbanken, auf welche die Großbanken den Quartalszuschlagüberwälzten. Es trifft sie diese Ueberwälzung um so schwerer, als sie bei denGroßbanken gerade bei Quartalsende bedeutende Kredite zu beanspruchen pflegen.Die Provinzbank ist nicht immer in der Lage, eine derartige Belastung auf die Kund-schaft weiterzuwälzen. Daher zwingt der Quartalszuschlag zu verbesserter Gelddispo-sition, zur Aufsammlung kurzer Wechsel zwecks Rediskonts und ausländischerGuthaben. Die Bankstutzt ihr Portefeuille auf Quartalsende zu". Man wirdinsofern die Aktion der Reichsbank nicht als wirkungslos bezeichnen. Auf der anderenSeite waren jähe Schwankungen des Privatdiskonts wie der Devisenkurse die wenigererwünschten Folgen der bezeichneten Maßregel.

d) Kapitalknappheit und volkswirtschaftliche Illiquidität. Gewisse Eigen-tümlichkeiten der gegenwärtigen deutschen Wirtschaftslage verschärfen unsereGefährdung durch Krisen und Kriege. An der Spitze steht die allgemein fühlbareKapitalknappheit nur relativ, nicht absolut im Verhältnis zu derUnternehmungslust und dem Geburtenüberschuß. Diese Knappheit betrifft vorallem die mittleren und kleineren Betriebe, die Provinz, aber auch dasdeutsche Auslandsunternehmen. In allen Zonen der Welt eröffnen sich heuteMöglichkeiten für deutsche Arbeit. Deutschland besitzt den Willen und das Wissenzur Urbarmachung der Welt, aber nicht in genügendem Maße das dazu nötige Werk-zeug. Diese Kapitalknappheit führt zur äußersten Ausnützung des Kreditesalles pumpt! und verschärft damit die Gefahren der Kreditkrisen.

Hiermit in engem Zusammenhang steht die Illiquidität der deut-schen Volkswirtschaft. Man scheide scharf die privatwirtschaftlicheIlliquidität, von der oben die Rede war, und die volkswirtschaftliche Illiquidität,als der Gleichgewichtsverschiebung zwischen umlaufendem und festem Kapitalzugunsten des letzteren 1 ): DieseUeberinvestitition" wird sich für die heimischeKreditwirtschaft ziffernmäßig schwer nachweisen lassen. Unsere Banken sind im privat-

1 ) Hilferding, Finanzkapital. Wien 1910. S. 318ff.