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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
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III

Bankenaufbau.

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wirtschaftlichen Sinne liquid, weil eben die Zentralbank in letzter Instanz für ihreLiquidität einsteht. Aber damit ist die volkswirtschaftliche Liquidät noch keines-wegs gegeben. Offenkundig sind vielmehr gewisse Ueberinvestierungen, z. B. imgroßstädtischen Grund und Boden, in der Kaliindustrie u. a. Neuanlagen, ehe nochdie alten Anlagen amortisiert waren, vergeudeten erhebliche Kapitalbeträge.Offenkundig war ferner die zeitweise Illiquidität unserer auswärtigen Anlagen.Russische, türkische und z. T. amerikanische Eisenbahnen, österreichisch-ungarischeund orientalische Staatsanleihen, afrikanische Minen sind im Krisen- und Kriegs-falle großenteils nicht liquidierbar. Dagegen waren unsere politischen Gegner öftersunsere kurzfristigen Kreditgeber: Frankreich , das gelegentlich Hunderte vonMillionen deutscherPensionen" besaß, daneben auch Rußland, das in Deutschland zwecks Kursregulierung, Zinszahlung usw. große Bankguthaben unterhielt. Es machtesich nicht selten auf dem deutschen Geldmarkte fühlbar, wenn die russischen Gut-haben etwa wegen schlechter Ernte sich verminderten. Auch hier haben die Marokko-tage erzieherisch gewirkt und zum Abbau unserer kurzfristigen Verschuldung an dasAusland geführt. So hat die Deutsche Bank ihren kurzfristigen Auslandsverpflich-tungen einen höheren Betrag von liquiden Auslandsguthaben gegenübergestellt.

Wenn die Zentralbank im Notfalle die privatwirtschaftliche Liquidität herstellt,indem sie Werte aber illiquide Werte, z. B. Effekten, Grund und Boden usw.beleiht, so hat sie um so mehr die Aufgabe, an der schrittweisen Herstellung dervolkswirtschaftlichen Liquidität zu arbeiten, das Gebiet derGegenwartsgüter"auf Kosten der Zukunftsgüter zu erweitern. Nur so wird sie im lirnern den In-flationismus vermeiden, nach außen die Parität unserer Währung aufrecht er-halten, indem sie formale Zahlkraft in reale zurückführt.

Zusammenfassend: Die Schwäche unseres Kreditsystems herausgeborenaus der Jugendlichkeit der deutschen Weltwirtschaft und Weltpolitik ist nichtvon heute auf morgen durch eine Zauberformel zu beseitigen, sondern nur in all-mählicher Reformarbeit von innen heraus zu heilen. Der erste Schritt ist unterHilfe des Pädagogen Havenstein getan, indem die Krankheit als solche erkanntwurde. Die Kreditbanken beginnen ihr Denken über die privatwirtschaftliche Li-quidität hinaus zu richten wenigstens in ihren Geschäftsberichten. So erklärtedie Deutsche Bank (1914):Die deutsche Volkswirtschaft als Ganzes bedarf nachder stürmischen Ausdehnung der letzten Jahre einer Periode ruhigerer Entwick-lung, um die stark in Anspruch genommenen Kredite zu konsolidieren und so dieerweiterten Grundlagen unseres Erwerbslebens zu festigen."

B. Politik der Zentralbank.

a) Goldhortung. Unter den Mitteln, welche die Zentralbank zur Abhilfeder offenkundigen Schwächen unseres Kreditsystems ergriff, steht eines voran,dessen sofortige Anwendung die Gefahren der augenblicklichen Lage abwehrt unduns zu schrittweiser Reform Zeit gibt. Dieses Mittel kann in nichts anderem be-stehen als in einer erheblichen Vennehrung des Goldbestandes der Reichsbanknicht wegen irgendwelcher zauberhaften Eigenschaften des Edelmetalls, sondernweil Gold die leichtest zu stapelnde, leichtest auszuführende und solange diebritische Goldwährung besteht wertbeständigste aller Waren ist. Kreditkrisenbeschwört man durch Vorweisen dieser verkäuflichsten aller Waren. Kein Sach-kenner zweifelt daran, daß der Goldbestand der Reichsbank zu gering ist. Nichtetwa das Verhältnis zur Notenmenge ist hier entscheidend zeitweise ging dieGolddeckung der Noten, die Depositen ungerechnet, auf 26,4% herab. Vielmehrentscheidet die absolute Größe des Hortes, den man im Kriegsfalle nicht etwa aus-gibt, sondern festhält und vorweist. Kommen kriegerische Erfolge, so kann dieEntwertung der Währung ganz oder nahezu vermieden werden. Im äußersten Not-falle bedeutet der Schatz die letzte große Reserve. Rechtzeitige Aufhortung des

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