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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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180
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180 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. III

Edelmetalls bei der Reichsbank in Friedenszeiten ist um so mehr geboten, als imKriegsfälle das im Umlauf befindliche Edelmetall zum Teil thesauriert und damit fürstaatliche Zwecke unbrauchbar wird. Während der Balkanwirren sollen nicht wenigerals 500 Millionen Mk. Gold versteckt worden sein, nicht nur durch ängstlicheGemüter, sondern auch durch Spekulation auf sinkende Valuta.

Was ein staatlich zusammengefaßter Edelmetallvorrat im Kriegsfalle bedeutet,lehrt Rußland . Trotz militärischer Niederlagen, trotz der Revolution im Innernschloß Rußland den Frieden zu Portsmouth zu verhältnismäßig günstigen Be-dingungen: keine Kriegsentschädigung, geringfügige Landabtretung! Rußland hatte zu Beginn des Krieges einen hohen Goldbestand besessen und vermehrteihn noch während desselben durch internationalen Kredit wie durch heimischeProduktion (Goldbestand der russischen Reichsbank am 1. Januar 1904: 902 Mil-lionen Rubel, am 1. Oktober 1905: 1166 Millionen). Im schlimmsten Falle hätteRußland den gesamten Goldschatz der Bank für weitere Kriegszwecke flüssig machenkönnen 1 ). Die niedere Ziffer des Goldbestandes der Bank von England ist demgegen-über keineswegs mit der deutschen ohne weiteres vergleichbar. Sie fällt um soweniger ins Gewicht, als die englische Volkswirtschaft vor allem die englischeIndustrie nicht in gleicher Weise auf Kredit gestellt ist, wie die deutsche.Zudem haben die englischen Depositenbanken in neuerer Zeit ihre eigenen Metall-bestände erheblich vermehrt 2 ). Auch zieht England im Notfalle leichter als irgend einanderes Land Gold vom Auslande an. Während der Krisis im November 1907 bezoges Gold von zehn verschiedenen Ländern. Schließlich darf die Bank von England ,wie die Erfahrung zeigt, aus politischen Gründen stets auf Hilfe seitens der Bankvon Frankreich rechnen. Einer solchen ausländischen Stütze ermangelt Deutschland .Auch vergesse man nicht: nicht in Delhi, sondern in London ruht die indische Gold-reserve, die jeden Augenblick ihrem eigentlichen Zwecke entfremdet und britischemReichsinteresse dienstbar gemacht werden kann.

Die Goldpolitik unserer Reichsbank betrifft eine Lebensfrage auch unsererKreditbanken, welche im Krisen- oder Kriegsfalle von der Reichsbank schlechthinabhängig sind. Dagegen fallen die technischen Mittel, welche die Reichsbank zurErreichung dieses Zieles ergreift, aus dem Rahmen dieser Arbeit heraus. Die Ent-goldung des Verkehrs durch diekleine Note" ist als das wirkungsvollste und amschnellsten zum Ziele führende Mittel anerkannt. Die Knappsche Geldtheorie bahnteihr den Weg einSturmvogel" aufziehenden Unwetters. Man verkenne das Wesendieser kleinen Noten nicht! Sie sind nicht wie die echte Banknote dazu bestimmt,als elastisches und rückströmendes Umlaufsmittel die Lücken des Verkehrs zu füllenund außergewöhnlichem Kreditbedürfiiis zu dienen, sie sollen vielmehr dauernd anStelle des Edelmetalls in, dem Verkehr sich halten. Soweit die Bank nicht auf Kostendes Umlaufs, der letzten Reserve, sich bereichern will, sollten sie Stück für Stückdurch Edelmetall gedeckt sein. Wenn man diesen Satz nicht in das Gesetzbuchschrieb, so geschah es nur um deswillen, weil von den derart gewonnenen Metall-beständen in Krisenzeiten zur Deckung echter Banknoten ein Teil abgezweigt werdensoll. Es erscheint daher ratsam, die Grenze beider Metallvorräte bilanzmäßig zuverwischen. Je mehrkleine Noten", um so höher muß die Ueberdritteldeckung desgesamten Notenumlaufs in normalen Zeiten sein, und um so gesicherter ist die Drittel-deckung in abnormen Zeitläuften. Nur wenn diese Sätze zu Selbstverständlich-keiten geworden sind, ist eineAuspowerung" des Umlaufs durch die kleine Noteungefährlich. Die vielbestrittene Gesetzesbestimmung der Dritteldeckung sinktdamit zu formaler Bedeutung herab und mag als nützlichesRegulativ" auch fernerbestehen bleiben.

Diekleine Note" bedarf zu ihrer Ergänzung einer straffen Diskont-politik, wenn das dem Verkehr entlockte Gold nicht durch das Becken der

1 ) K. Helfferich, Das Geld im russisch-japanischen Kriege. Berlin 1906. S. 120ff.

2 ) Vgl. Frankfurter Zeitung v. 28. Januar 1914.