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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
186
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186 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. III

die hoffnungsvollsten Außenposten unserer Volkswirtschaft zertrümmern nichtauswirken können sie jenes Verantwortlichkeitsgefühl, das die Sicherheit des volks-wirtschaftlichen Aufbaus gewährleistet. Wir bedürfen der Männermehr als der Paragraphen.

Im einzelnen: Als Bankdirektoren brauchen wir Männer, welcheverdienen wollen und sollen Banken sind Erwerbsunternehmungen, nicht ge-meinnützige Anstalten aber Männer, welche weitsichtig verdienen wollen, diedas persönliche Eintagsinteresse zurückstellen hinter das Dauerinteresse ihresInstituts. In rastloser Arbeit dem Heere der Angestellten voranleuchtend, dienensieberufsmäßig" dem Geschäft. Mehr erwarten wir von denBanken-herrschern", d. h. den Männern an der Spitze unserer Großbanken; denndiese sind heute Mittelpunkte der Volkswirtschaft. Hier bedarf es leitender Köpfe,die das Ganze überblicken und sich als die Lenker der Volkswirtschaft fühlen, die sietatsächlich sind. Königliche Kaufleute 1 Die Berufsidee gewinnt hier eine über-wirtschaftliche Färbung. Diesen Stellen wohnt vielfach die Neigung inne, erblichzu werden. DenHerren Söhnen" soll aber der Wert derArbeit" aufgegangensein, der sie gegen Sportübertreibung und Aesthetentum festigt.

Wir bedürfen weiter einer Bankbeamtenschaft, welche an ihrenBeruf als Beamte Erben der alten Staatsbeamten glaubt, sich als dienendeGlieder wertvoller Organismen fühlt, die sie durch ihre Arbeit bejaht.

Endlich bedürfen wir der Intelligenzen ersten Ranges als Leiter derReichsbank, Männer, welche engste Fühlung mit dem Wirtschaftsleben besitzen,aber doch zugleich Beamte alten Stiles bleiben. Im Anschluß an die TraditionPreußen-Deutschlands steht ihnen der Staat als objektiver Lebenswert fest. Be-fähigt, in zehnfach höher bezahlte Stellungen des Erwerbslebens überzugehen, ziehensie die Ehre und die Machtmöglichkeiten der Beamtenstellung vor. Der Worthauch:Exzellenz" wiegt ihnen mehr als ein Vermögen. Solchen Männern, welcheimHerrschen dienen" (Goethe), ordnet sich eine psychologische Paradoxie!unsere Hochfinanz willig unter.

Je mehr wir auf Männer und je weniger wir auf Paragraphen abheben, um sowichtiger werden die Fragen der Bildung des Nachwuchses. An der Spitze stehtdie Forderung bewußter Körperkultur der schreibenden und rechnendenGroßstadtmenschen. Die Ertüchtigung und Wehrhaftmachung unserer Jugendbildet das beste Gegengewicht gegen männermordendes Nachtleben und Dirnen-tum. Dreiviertel aller geschäftlichen Erfolge beruhen auch im Bankwesen aufNervenkraft. Zielbewußter Arbeit bedarf es, um diesen Schatz zu erhaltenund wo verloren zurückzuerobern.

Daneben stehen die Fragen der Berufsbildung. Die beste Lehrmeisterin istund bleibt die Praxis nicht zuletzt die Praxis des Auslandes. Als Lehrwerk-stätte behauptet die allseitige Praxis des Privatgeschäfts ihren Platz. Auch unsereKreditbanken könnten viel dazu beitragen, daß die Lehrzeit ihrer Angestelltenüber die Routine eines winzigen Geschäftsausschnitts hinausführt.

Aber die Nur-Praxis genügt in einem Zeitalter nicht mehr, wo Wissen Machtist. Geschickte und systematische Lehre kann dieses Wissen leichter und voll-ständiger verbreiten und vertiefen als die stets einseitigen Zufälle der Praxis. Dasgilt allerdings nur dann, wenn die Lehre auf das praktische Ziel gerichtetist. Handelshochschulen haben dieAufgabe, nicht Universi-täten zweiten Ranges zu sein, sondern handelstechnischeLehranstalten ersten Ranges. Ihre Aufgabe ist es, deutschen Handelund deutsches Bankwesen im geschäftlichen Wettbewerb der Nationen zu neuenSiegen auszurüsten. Bei der Wichtigkeit des Bankwesens werden sie gut tun,sich besondere bankwissenschaftliche Abteilungen wenn man willB ank-Fakultäten" anzugliedern. Die verschiedenen Seiten des Bankgeschäftssind hier zunächst von innen heraus also vom privat wirtschaftlichen Stand-