Druckschrift 
Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
187
Einzelbild herunterladen
 

III

Bankenaufbau.

187

punkt aus darzustellen. Zugleich ist die Frage zu beantworten: Wie sollen dieTätigkeiten des Bankers gestaltet werden, um dem Zweck des Geschäfts amerfolgreichsten zu dienen? Daneben braucht der heranzubildende Banker eineallgemeine v o 1 k s wirtschaftliche Bildung, an welche sich später die Praxisankristallisiert. Aber weder die Kenntnis des Florentiner Frühkapitalismus, nochdie Grenznutzenlehre befähigt ihn, seinem praktischen Zwecke einmal besser zudienen, als ohne diese Gedankenbeschwerung. Was er braucht, ist einespezielle"undpraktische" Nationalökonomie, welche die deutsche Volkswirt-schaft der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit zur Darstellungbringt und ihm erlaubt, sein Tun in größere Zusammenhänge einzugliedern. Zu-gleich bedarf er einer einheitlichen Wirtschaftspolitik aus demGesichtspunkte des neudeutschen Industrie- und Gläubigerstaates, keiner Rezepten-sammlung. Sie soll ihm ermöglichen, das Schwergewicht seines Berufes einmal in derPolitik des Reiches zur Geltung zu bringen, aber auch darüber hinaus die Sache desVaterlandes durch seine berufliche Einsicht und Erfahrung zu bereichern. Wiewenig spürt man bisher den Einfluß der in unseren Banken aufgespeicherten Welt-erfahrung auf den Gang unserer äußeren und inneren Politik! Von der Großbankzur Diplomatie wäre für Bevorzugte kein schlechter Lebensgang.

Nicht wenige unserer künftigen Banker besonders Söhne und Enkel be-suchen die Universität dann vor allem mit Erfolg, Venn sie Praxis oderHandelshochschule hinter sich haben. Die Universität bietet ihnen Nationalökonomie mit anderer Verlagerung des Schwergewichts als die Handelshochschule hierWirtschaftsgeschichte und Wirtschaftstheorie um ihrer selbst willen. Von besondererWichtigkeit sind daneben privatwirtschaftliche Spezialvorlesungen und Uebungen,die unser nationalökonomischer Universitätsbetrieb nicht mehr entbehren kann.Hierzu trete eine juristische Vorbildung, welche jedoch für den Nationalöko-nomen besonders zugeschnitten sein soll. Zunächst bedarf er in gedrängter Dar-stellung der juristischen Grundbegriffe und eines Ueberblicks über das bürgerlicheRecht. Unseren künftigen Bankern sollte das Wesen der Hypothek und des In-haberpapiers, der Unterschied zwischen Sachenrecht und Forderung in Fleischund Blut übergegangen sein. Auf dieser Grundlage ist das Handels-, Wechsel- undBörsenrecht in Ausführlichkeit auszubreiten, das ohne jenen Unterbau in der Luftschwebt. Privatwirtschaftslehre und Handelsrecht hätten als pflichtmäßige Be-standteile des nationalökonomischen Doktorexamens zu gelten. Nebenfächer, abernicht Nebendinge sind dem künftigen Banker neuere Geschichte und deutschePhilosophie.

Aber über den Bereich der Kenntnisse hinaus soll die Universität etwas bieten, waswichtiger ist: In ihrer erfrischenden Luft wird der junge Banker jener Werte gewahr,welche der Mühe lohnen, ohne daß sie in die Ziffern des Hauptbuchs eingehen. Erlernt jenen Sonderüng, den Wissenschaftler, kennen, welcher der Wahrheit dientum der Wahrheit willen.' Um so ernster' bedrängt den jungen Praktiker der nieund nimmer Theoretiker werden darf, sonst ist er für die Praxis verloren die Fragenach dem letzten Wozu? seines Berufes. Er macht sich damit bewußt, wasunbewußt auch den Nur-Praktiker beunruhigt. Antwort findet er allein in jenerWelt der Werte, mit welcher die Universität ihren Schüler in Verbindung setzt,wenn sie selbst von idealistischem Geiste durchtränkt ist. Denn diese Welt der Werte,welche die Forschungsarbeit der Universität logisch rechtfertigt und ethisch zurPflicht macht sie ist es, die den Menschen von der toten Ziffer errettet undmit neuem, besseren Inhalt erfüllt. Denn nicht das Wissen macht Männer, sonderndas Wollen.

Bekanntlich hat der britische Kapitalismus des 19. Jahrhunderts den Einzel-unternehmer auf den Thron gesetzt und das Gewinnstreben für den leitenden, ja deneinzigen Beweger des wirtschaftlichen Lebens angesehen. Dieser britische Unter-nehmerkapitalismus gleicht einem Uhrwerk, das einmal aufgezogen früher