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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Die Staatsbauern haben bei der Befreiung im allgemeinen be-deutend mehr Land erhalten als die Gutsbauern; letzteremufsten das von ihnen bebaute Land mit den ehemaligenHerren teilen, erstere safsen auf den ausgedehnten Staats-ländereien von vornherein breiter. Da bei den Staatsbauerndas Recht am Lande die darauf liegenden Pflichten meistüberwiegt, so finden wir bei ihnen vielfach mehr Neigung zurEntwicklung von Privateigentum als bei den Gutsbauern,jedoch in sehr verschiedener Weise.

In dem nördlichen Bezirke besuchte ich die GemeindeDerkatsch, welche in mehrere zerstreute Ansiedlungen zerfällt,von denen jede ihre besondere Elur besitzt. Wir besuchteneine dieser Ansiedlungen; sie besteht aus 14 Höfen; alleBauern tragen denselben Familiennamen und betrachten sichals Verwandte ein Beispiel dafür, wie sich aus der Familieoft unmittelbar die Gemeinde entwickelt. Sie besitzen ihrLand zwar rechtlich im Gesamtbesitz, jedoch ist thatsächlichnahezu Privateigentum vorhanden. Seit der Befreiung sinddie Nadjele nicht nur an Zahl und Gröfse die gleichen ge-blieben; sie sind sogar, anders als bei den Gutsbauern, ausideellen Anteilen zu festen Besitzrechten an bestimmten Stückender Flur geworden. Jahraus, jahrein bebaut der Bauer das-selbe Feld; bezeichnend genug, wenn auch noch vereinzelt,finden sich die Anfänge der Düngung. Die Steuern sind hierverhältnismäfsig weniger drückend, so dafs der Gesichtspunktder Ausgleichung zurücktritt und der Wunsch Uberwiegt, daseinmal bebaute und verbesserte Feld festzuhalten. Aber nochist das Besitzrecht unsicher; ein Gemeindebeschlufs, und eserfolgt Umteilung, die dem tüchtigen Wirte die Früchte desdem Felde geschenkten Fleifses entzieht. Angesichts der Volks-zählung regen sich bereits Stimmen, welche Neuverteilungnach lebenden Seelen wünschen. Wir fragen, weswegen diezeitigen Besitzer nicht, um dieser Gefahr zu entgehen, durchGemeindebeschlufs das Gesamteigentum beseitigen und denNadjel zu freiem Privateigentum machen. Dieser Fragewird die Rücksicht auf die Brachweide entgegengehalten; derwohlhabende Bauer wünsche mehr Vieh aufzutreiben als der