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Im Süden dagegen fand ich Hand in Hand mit der stär-keren Differenzierung der Bevölkerung die Anfänge des tech-nischen Fortschrittes. Das alte System des Ackerbaues, wiewir es soeben beschrieben, war bei den kräftigeren Wirtendurchbrochen.
Den Umschwung bringt die Maschine. Zuerst tauchtdie Worfelmaschine auf; ihr folgt alsbald die von Zugviehgetriebene Dreschmaschine. Bei zahlreichen bäuerlichenWirten des südlichen Bezirkes habe ich Dreschmaschinenmit 3—4 kräftigen Gespannen in Thätigkeit gesehen; dernächste, ebenfalls schon vielfach anzutreffende Fortschritt führtzur Mähmaschine und Säemaschine. Der alte Pflug wirdbei Seite gelegt. Es taucht der Bukker auf, ein dreischarigerEisenpflug, welcher mit zwei bis drei Paar Ochsen bespannt,zwei bis drei Defsjätinen den Tag pflügt, während die altenBauernpflüge nur V2 bis a U Defsjätine bewältigen. Die hier-durch ermöglichte Beschleunigung der Bestellung ist aber beidem trockenen und heifsen Klima Südrufslands von grofsemNutzen. Sie bringt die Saat früher in den Boden und giebtihr Zeit, sich zu befestigen, ehe die Hitze beginnt.
Am spätesten erscheinen die Fortschritte, welche eineintensivere Bearbeitung der Erde bezwecken: westeuropäischeTiefpflüge und Bearbeitung der Brache — von beiden trafich bei den russischen Bauern der besuchten Bezirke kaumerst Spuren. Zunächst dehnt sich der aufstrebende Wirt ebenextensiv aus und baut Betriebsgröfsen auf, welche eine ren-table Getreideproduktion ermöglichen, wozu die ihn um-gebenden niedergehenden Guts- und Bauernbetriebe reicheGelegenheit bieten.
So fand ich einen scharfen Gegensatz zwischen demnördlichen und südlichen der bereisten Bezirke. Was sinddie Gründe? Ich verstehe die Verhältnisse des Südens alsAusstrahlung Neurufslands, unter welchem Namen ich ins-besondere an Taurien und Cherson denke, daneben aber auchan Bessarabien , das Gouvernement Jekaterinoslaff, das Gebietder Donschen Kosaken und den Kubanschen Bezirk. Es kannauf diesen Gebieten jedenfalls nicht von einem allgemeinen