Frankreich erwarben die Engländer ein ungeheures Kolonialreich.Während der Napoleonischen Kriege monopolisierten sie zeitweisesämtliche überseeischen Märkte. Hierzu kam die Vernichtung alleraußerenglischen Handelsflotten; während jener Kriege soll England gegen 4000 europäische Schiffe seiner Handelsflotte einverleibthaben. Daher konnte Pitt nach sieben Iahren des Krieges am18. Februar 1801 im Parlament ausrufen: „Wir haben unserenäußeren wie unseren inneren Handelsverkehr auf eine höhere Stufegebracht als je zuvor, und wir können auf das gegenwärtige alsauf das stolzeste Jahr blicken, das dem Lande jemals beschiedenwar." England war damals „allein reich"; in den Revolutions-und Napoleonischen Kriegen hielt es durch seine Subsidien mehrals einmal die festländischen Verbündeten zusammen.
Es ist wichtig, dieser Tatsachen hier zu gedenken, da dieErinnerung an das Napoleonische Zeitalter den britischen Staats-männern bei der Kriegserklärung gegen Deutschland ausgesprochener-maßen vorgeschwebt hat.
Nicht minder wichtig ist es, sich der letzten geistigen Grund-lagen der britischen Weltherrschaft bewußt zu werden. Denngeistesgeschichtlich übergipfelte der Brite zuerst seine festländischenGegner, um sie sodann wirtschaftlich, zuletzt politisch zu überwinden.Alle britische Größe wurde geprägt vom puritanischen Zeit-alter. Wenn auch diese Prägung heute verflacht ist, so kennzeichnetsie immer noch den „Idealtypus" des Angelsachsen. Auf der einenSeite steht alles das, was der Brite in das Wort „Freiheit"zusammenfaßt: geistige, wirtschaftliche, politische Entfesselung desEinzelmenschen; Selbstbestimmung, Selbstverantwortlichkeit, Selbst-hilfe auf dem Boden starker und bewußt erarbeiteter Körperlich-keit. Auf der anderen Seite harte Selbstbindung, pflichtmäßigerDienst an den berufsmäßig erfaßten Lebenszielen, geschlechtlicheBeschränkung auf den ehelichen Zweck, Äerrschaftsanspruch des„auserwählten Volkes". Der „Wirtschaftsmensch" — in seinerReinzucht ein Brite — verdient, um zu verdienen, nicht um zugenießen. Sexuelle Selbstzucht bildet einen verborgenen, abermächtigen Grundpfeiler der britischen Weltstellung. Der Dienstan der eigenen Nation erscheint als Dienst an der Menschheit,der keine größere Wohltat erwiesen werden kann, als wenn derBrite die Landkarte britischrot färbt. Ein solcher Glaube — un-beirrt durch irgendwelches Verständnis für die Fremden („natives"sie alle, ob Hindus oder Deutsche ) — war ein nationales Macht-
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