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Freie Meere! / Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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Friede" ist ihm einIdeal", stets zu erstreben, stets uner-reichbar. Aber zwischen diesem unendlich fernen Ziel einHirte und eine Herde! und dem sich zerfleischenden Heuteglaubt der Deutsche Zwischenstufen verwirklichen zu können durchden Föderalismus kulturverwandter und interessen-verbundener Staatenkreise. Diese politischen Organisations-möglichkeiten hat Deutschland in seinen wirtschaftlichen Kartellenvorgezeichnet, welche das Nebeneinander stärkerer und schwächererGlieder durch eine höhere Einheit gewährleisten. So verbindetdie in ihrem Grundwesen deutsche Schweiz föderalistisch die dreiHauptnalionen Westeuropas. Österreich-Angarn soll Deutsche ,Magyaren, Rumänen, West- und Südslawen zur vollen Befrie-digung ihres nationalen Daseins föderalistisch vereinen. Ein staats-rechtlicher und handelspolitischer Bund der beiden mitteleuro-päischen Großmächte lag schon in der Richtung BismarckscherGedanken und wird heute mehr denn je als Forderung der Waffen-brüderschaft empfunden. Durch Anschluß an diesen mitteleuro-päischen Kern gewännen die germanischen Staaten des Nordenswie die slawischen Staaten des Südostens alle Vorteile des staat-lichen Großbetriebes, ohne an Selbständigkeit einzubüßen und ingeschichtslosem Stilleben zu verkümmern.

Aber der Organisationsgedanke führt weiter. Den Friedendes westeuropäischen Festlandes durch ein Bündnis seiner vierHauptmächte zu sichern, ist keine Atopie. Ein solcher Friedens-verein zwischen Deutschland, Österreich-Angarn, Frankreich undItalien vereinigte Völker gemeinsamer Lebensinteressen. Er würdeein Gegengewicht bilden gegen Englands Welt- und Seemonopol,das seit alters auf Europas Zwistigkeiten gegründet ist.

Derartige Forderungen einer verbesserten Staatenorganisationwerden sich anmelden nach dem Wahnwitz dieses Krieges. DerKrieg mit Frankreich war schlechthin vermeidlich; denn Deutsch-land forderte von Frankreich nichts als Neutralität. (Wie ofthört man in unserem Okkupationsgebiete aus Franzosenmunde hin-sichtlich des Krieges das Wort:On ne suit pus pvurczuoi.")Der Krieg mit England war zwar nicht ebenso grundlos, wohlaber vermeidlich; denn es lag im wohlverstandenen Interesse Eng-lands selbst, in die Reihe des ?rimus inter pures sich einzugliedern.Der Krieg mit Nußland war auf die Dauer wohl unvermeidlich;aber er hätte geführt werden können, unter Neutralität des Westens,von Deutschland zur Befreiung des russischen Volkes und der

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