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zerfallene Brücken, aus deren Quadern Moos uud Gräser wachsen.Die Landschaft ist oft durchsetzt mit Sumpf und Moor, aus denenheraus die Frosche quaken oder die Rohrdommel ihren Rus ertönenläßt. Oft genug unterbricht ein Steinbruch, eine Sandgrube dasEinerlei; und am Rande des Weges steht ein Busch, in dessenSchatten der Wanderer rasten kann, oder mitten im Felde einHag, in dessen Sträuchern die Singvögel nisten. Die Heckenroseaber schlingt ihre Zweige um altes Gemäuer, ovu dessen Ursprungniemand weiß, und dessen Zweck von niemand gekannt wird. Eshat noch so vieles in der Landschaft „keinen rechten Zweck"!
Eine Eigenart, die dem Reisenden aussallen muß, ist derReichtum an Heide- und Weideland und Herden. Nicht nurmächtige Schafherden begegnen dem Wanderer auf Schritt undTritt: ebenso oft stößt er auf Herden von Gänsen, Schweinen,Ziegen, auf weidende Pferde uud Niuder.
Die Ackerflur sieht wie ein Schachbrett aus: iu winzig kleinenStreifen liegt Ackerloos neben Ackerlovs, nur daß alle aneinander-grenzenden Streifen die gleiche Frucht tragen oder gleicherweiseunbestellt geblieben sind. Was das Bild der Feldflur in derSommerszeit zu einem besonders buuten macht, sind die vielenblauen Flecke, mit denen die wogenden Kornselder durchsetzt sind:die Flachsbeete.
Und viel häufiger als heute uimmt ein Wald den Wandererin seinen Schatten auf. Die uralten Baumriesen sind noch nichtgefällt; das Unterholz wächst noch wild durcheinander mit allerhand„nutzlosen" Sträuchern, den „Forstunkräutern", wie man die male-rischen Schädlinge heute uennt. Der Wald spielt noch eine ganzandere Rolle im Leben des Volkes, das ihn mit seinen Sagen undMärchen bevölkert und ihn oft als einzige Quelle des Lebens-unterhalts betrachtet. Die alte deutsche Kultur, wie sie am Anfangdes neunzehnten Jahrhunderts noch in den Grundzügen erhaltenist, war recht eigentlich dem Walde entsprossen; der murmelndeBach, der rauschende Eichbaum sind die Sinnbilder des deutschenGcmütslebens, das just in jenen Tagen, in denen wir im Geistedie deutschen Lande durchstreifen, die wundersame „blaue Blume"der Romantik trieb. Das Sinnige, das Zarte, das Schaudervolle,