Tie alte, deutsche Kultur eiue Waldentsprossene.
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der tiefe Zug zur Sentimentalität und was sonst nvch den Deutschen von allen andern Nationen unterscheidet: im Walde hatte es seinenUrgrund, in dem ungepflegten, wildgewachsenen Walde, in dem dieVögel im Frühjahr in den Büschen sangen, in denen die Nebelim Herbste über die Lichtungen zogen.
Aber im Walde wurzelte auch die materielle Kultur der nor-dischen Länder, ehe denn das Eisen und andere unorganisierteMaterie eine neue Kultur ins Leben riefeu. Das mußte schon demdeutlich zum Bewußtsein kommen, der aufmerksam durch die Landezog. Allerorts stieß er auf kleine Leute, die Reisig, Beeren, Streuund andere Erzeugnisse des Waldes sammelten. Die Schweine deskleinen Mannes suchen die Eicheln als Futter, seine Kuh und seineZiegen grasen am Waldesrande. Aus den Holzbeständen abernimmt er das Material für die gewerblichen Erzengnisse, die er ansMessen und Märkten feil hält: allerlei Schaufeln und andere Geräte,Bütten, Pantinen, Schnitzwerk vielerlei Art Und anch dem Hand-werker in der Stadt liefert der Wald den meisten Rohstoff: dieLohe und das Holz. Hölzeru war denn auch die Kultur unsererVorfahren. Holz die Feuerung; aus Holz die Häuser, aus Holzdie Brücken und Stege, aus Holz die tausend Gebrauchsgegenstündedes täglichen Lebens, bei deren Herstellung namentlich der Böttcherbeteiligt war, und die wir heute oft nur dem Namen nach kennen:die hölzerne Badewanne, die hölzernen Milch- uud Bierkauueu,das hölzerne Waschfaß, der hölzerne Wassereimer, die hölzerneFeuertonne, die hölzernen Pökel- und Biersässer. Victor Hehn hat schon einmal in seiner geistreichen Art den Artuuterschiedzwischen Süden und Norden auf den Gegensatz von Stein undHolz zurückgeführt. Und sicherlich war dieser Gegensatz für dieZeit vor hundert Jahren noch mehr entscheidend als hellte ineiner Zeit, die alle nationalen und lokalen Unterschiede zu ver-wischen im Begriffe ist.
Wie sehr aber die ganze materielle Kultur damals auf demWalde ruhte, das mußte sich dem Beobachter noch deutlicher ein-präge», wenu er die Wahrnehmung machte, daß auch zahlreichegewerbliche Erzeugnisse, die nicht aus Holz selbst hergestellt wurden,doch des Holzes zu ihrer Anfertigung benötigten: allen voran das