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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
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Die innere Organisation des Wirtschaftslebens.

wie sie in der Hufenverfassung zum Ausdruck kommt. Dieideelleu Auteile der einzelnen Bauernfamilien an sämtlichen Be-standteilen der Dorfflur hießen nämlich Hufeu. Sie waren ur-sprünglich nach Qualität und Quantität so groß bemessen, daßeine Familie darauf eine normale Bauernwirtschaft führen undvon den Erträgnissen auskömmlich leben konnte. Wir begegnenhier zum ersten Male derIdee der Nahrnng", die während desganzen Mittelalters hindurch das Wirtschaftsleben in Stadt undLand beherrscht und die auch zu Beginn des neunzehnten Jahr-hunderts durchaus noch das regulierende Prinzip der Produktionbildet: jedem Wirtschaftssubjekt soll ein solcherart abgegrenzterKomplex wirtschaftlicher Tätigkeiten gesichert sein, daß es seineArbeitskraft voll ausnutzen und sich und die Seinen von seinerHände Arbeit ernähren kann. Ursprünglich waren also die Hufenalle gleich groß. Im Laufe der Jahrhunderte differenziierten siesich in doppelt oder mehrfach so große Anteile einerseits, in halbe,drittel, viertel Hufen andrerseits.

Die Bestandteile einer Hufe waren aber folgende:

1. Die Hofstätte, d.h. das Wohnhaus, die Ställe, Scheunen,Gärten, sogenannte Wurten, die von vornherein zu vollem Privat-eigentum dem einzelnen übergeben wurden;

2. das Ackerland im Felde. Mit diesem hatte es seine be-sondere Bewandnis. Es lag nicht an einer Stelle in einer zu-sammenhängenden Fläche, sondern war nach einem sehr ingeniösenPlane über die ganze Flur zerstreut. Diese wurde gleich beider Besiedelung in eine Anzahl gleich großer Teile, die sogenanntenGewanne oder Kämpe zerlegt, die aus Bodenstücken annäherndgleicher Qualität bestanden, in der Zahl von dreißig oder vierzig.In jedem dieser Kämpe erhielt nun die einzelne Banernfamilieeine gleich große Parzelle angewiesen, so viel wie ein Joch Ochsenan einem Morgen Pflügen konnte: daherMorgen" genannt, inOsterreich Joch". Ursprünglich wurden diese Anteile wahr-scheinlich von Zeit zu Zeit uuter die Dorfgenossen von neuemverlost: daher Ackerlose; schon früh aber entwickelte sich ein stän-diger Besitz wenigstens auf Lebzeiten, und bald blieben die ein-zelnen Streifen erblich zu vollem Privateigentum in einer und