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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
63
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Betriebsfvrmen des Handwerks ^ seine innere Gliederung.

Reihe jedermann aus eigner Anschauung kennt) subjektive, in derPersönlichkeit des Handwerkers begründete Momente maßgebendgewesen.

Die der handwerksmäßigen Organisation der Produktion aminnerlichsten entsprechende Form der Betriebsgestaltung ist derJndividualbetrieb in allen seinen Modalitäten; als Alleinbetrieb,Familienbetrieb, Gehilfenbetrieb, also der sogenannte Kleinbetrieb.Jedoch ist eine handwerksmäßige Organisation auch in der Formdes Großbetriebes gelegentlich vorgekommen.

Was wiederum ein dem Handwerk spezifischer Zug ist, ist dieArt uud Weise, wie die in den verschiedenen Betriebsfvrmen zueinheitlichem Wirken zusammengefaßten Personen rechtlich undökonomisch zu einander in ein Verhältnis gebracht werden, istdasjenige, was man die innere Gliederung des Handwerksnennen kann. Denn ihre Eigenart folgt aus dem obersten Prinzipehandwerksmäßiger Organisation, wie es in der Zwecksetzung ihrerTräger zum Ausdruck gelaugt.

Das Verhältnis des Leiters handwerksmäßiger ProduktiondesMeisters" zu seinen Hilfspersoueu den Gesellen,Knechten, Knappen, Knaben, Dienern, Helfern, Gehilfen, uud wiedie Bezeichnungen sonst noch lanten mögen, sowie den Lehrlingenund dieser zu ihm, wird man nur dann richtig verstehen, wennman sich den familienhaften Charakter vergegenwärtigt, den allesHandwerk ursprünglich trägt: die Familiengemeinschast ist derälteste Träger dieser Wirtschaftsform, und sie bleibt es auch dannnoch, als schon sreinde Personen zur Mitwirkung herangezogenwerden. Geselle und Lehrling treten in den Familienverband einmit ihrer ganzen Persönlichkeit und werden von ihm umschlossen,zunächst in der gesamten Betätignng ihres Daseins. Die Familiesamt Gesellen und Lehrlingen ist PrvduktiouS- und Haushaltuugs-einheit. Alle ihre Glieder siud Schutzaugehörige des Meisters, siebildeu mit ihm ein organisches Ganzes, ebenso wie es die Kindermit ihren Eltern tun. Wie nun aber gar nie die Vorstellungaufkommen kann, daß die Eltern der Kinder, oder die Kinder derEltern wegen da seien, ebenso wie es töricht wäre, zu denken, daßdas Herz um des Kopfes oder dieser um jenes willen da sei, so