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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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161
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Wandlungen i, Wellbilde u. d, Einflüsse fortschreit. Natnrcrkenntnis. 161

den Wandel uns vergegenwärtigen, den nnter dem Einfluß fort-schreitender Ncitnrerkenntiiis (im Sinne der modernenexakten"Naturwissenschaften) die gesamte Weltauffassung, das Weltbild, dieKosmologie durchgemacht haben. Die Frühereu waren ganz vonselbst von ihrer beseelenden Natnrbetrachtung aus zu eiuein lebendigenGotte, einem Schöpfer Himmels und der Erde gelaugt. Der alteGott war nichts anderes gewesen, als ein großer Künstler, ein voll-kommener Handwerker, der die Welt aus seinem höchstpersönlichen,empirischen Können heraus geschaffen hatte. Nach seinem Bilde formter den Menschen. Und in seinem Werke lebt seine Seele fort. Erschafft mit der ganzen unmittelbaren Interessiertheit des Handwerkers,dem das Gelingen seines Wirkens der höchste Lohn ist. Und Gottsah, daß es gut war. Ja, in dem jüdischen Schöpfungsmythvstritt die echte Handwerkeruatur deo Welteuerschaffers so durch-sichtig zu Tage, daß Gott sogar sein Werk in der normalen Arbeits-zeit jedes Handwerkers, in den sechs Wochentagen, zu Ende bringt.

In der Natur, wie sie unsere Chemiker und Physiker deuten,ist für einen Gotthandwerker kein Nanm mehr.

Fühllos selbst für ihres Künstlers Ehre,Gleich dem toten Schlag der Pendeluhr,Folgt sie knechtisch dem Gesetz der SchwereDie entgötterte Natur."

Der Schöpfer wird von seinein Werk getrennt. Er mag viel-leicht als der große Organisator gedacht werden, der die Elementezusammenfügt. Diese aber vollbringen dann aus eigenerKraft"die Verbindungen, die zu der Welt der Körper führen. Die Weit-produktion, wenn wir so sageu wollen, ist ein rationalistisch gestat-teter Prozeß geworden, der sich nach mathematisch ausdrückbareuGesetzen" vollzieht, Gesetzen, deren Wirksamkeit der Produzentselber »uterworseu ist, die er nur mit Peinlicher Sorgfalt befolgenmuß, um den vorbedachten Erfolg zu erzielen.

Mit dieser Betrachtung haben wir nun aber auch schon ein-gesehen, worin die grundstürzende Wirkung der modernenNaturwissenschaften auf die Technik sich äußeru muß. Offen-bar darin, daß in Anwendung ihrer Lehren die technischen Vor-nahmen, statt wie bisher als Ausfluß einer lebendig wirkenden

Sombart , Vott-wirtschaft. 11