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Banken nnd Börsen.
wollen und das Papier verkaufen. Obgleich auch im Falle desErbgangs natürlich keineswegs notwendig eine Veräußerung statt-zufinden braucht. Hat man aber an unserm Effekt gleich beiseiner Geburt etwa eine stark nervöse Veranlagung wahrgenommen,das heißt die Fähigkeit, im Kurs leicht zu schwanken, weil eS viel-leicht Bezugsrechte auf sehr wechselnde Erträge verbrieft, so kannein ganz anderes Schicksal seiner harren: es kann rastlos von Handzn Hand wandern, unausgesetzt verkauft und gekauft und wiederverkaust werden. Alle Tage womöglich. Solche fliegendenHolländer nennt man dann Spekulationspapiere. Zwischen diesenbeiden Extremen gibt es natürlich unendlich viele Abstufungeu.
Man hat wohl zwischen einem „Handel" und einer „Speku-lation" in Wertpapieren unterschieden, indem man beim Handelals die leitende Absicht die Deckung eines Bedarfs, bei der Spe-kulativ!: dagegen lediglich die Erzielung einer den Vertragschließendenvorteilhaften Differenz zwischen dem Einkaufs- und dem Verkaufs-preise ansieht. Doch wird sich ein solcher Unterschied schwer inder Praxis mit Sicherheit feststellen lassen. Beide Geschäftsartengehen ineinander über. Man kann auch nicht sagen, daß dieKassageschäste nur dem Handel, die Zeitgeschäfte nur der Speku-lation dienen. Es kann sehr wohl auch die Spekulation sich derKassageschäfte bedienen (was z. B. an den amerikanischen Börsendie Regel bildet), und Zeitgeschäfte können zum Zweck vorteilhaftenErwerbs von Anlagepapieren abgeschlossen werden. DiejenigenPapiere, die auf Termin gehandelt werden, bilden an jeder Börsenur einen kleinen Bruchteil der sämtlichen Werte. Zur Zeit derBörsenenanete (Anfang der 1890 er Jahre) waren es in Berlin nur 73'von etwa 1400; an der Frankfurter Börse 85, au derHamburger 44, an der Münchener 8. Sicherlich aber wird mitviel mehr Papieren „spekuliert", weun mau darunter nur denAbschluß von Geschäften versteht, deren Zweck es ist, aus einer zn-künftigen Knrsändernng Gewinn zu ziehen.
Eher kann man Perioden mit mehr oder weniger spekulativenNeigungen unterscheiden. In Zeiten der Hausse wird namentlichanch in den Kreisen des sogenannten „Publikums" die Lust amDifserenzgewinn größer sein, und die Geschäfte in Wertpapieren