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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Eindringen neuer Geschnftsprinzipien: Reklame und Knlanz. 263

kurrenz" geht: ihn anzuziehen; dann aber weiter, ihn so gnt zubedienen, daß er auch ein zweites Mal wiederkommt: ihn zu fesseln.Ersterem Zweck dient, wie man weiß, die Reklame. Die Reklameist nicht ausschließliche Domäne des Detailhändlers-, nicht nur, daßsie auch der Arzt und der Theaterdirektor, die .Nuustausstellungs-kommissiou und die Badevcrwaltung sich dienstbar machein in derSphäre des Wirtschaftslebens ist sie heute fast schon iu höheremMaße anderen als dem Detailhändler, vor allem dem Produzentenselber eine Lebensbedingung geworden. Aber ihre Erwähnunggehört doch an diese Stelle deshalb, weil die Reklame ohne allenZweifel im Gebiete des Detailhandels ihre Entstehung erlebt uudihre Weihe empfangen hat. Es ist kein Zufall, daß die Reklameals ständige Einrichtung iu das Wirtschaftsleben zuerst eingebürgertworden ist von den ältesten Pariser Na^asins cle ^ouveinitW.Es scheint doch wirklich, als ob die Inserate, die der ?stit gaiutl^oirms, der Deux ZZämoncI oder der 8i^e cls ^'oiiotlis ver-öffentlichten, in denen zum erstenmal ganz schüchtern in ein paarZeilen dem P. t. Publikum jeue Geschäfte iu Eriuueruug gebrachtwurdeu, die Urform der moderneu Reklame darstellte». Manglaubt, ihre ersten Spuren in das Jahr 1829 verlegen zu sollen,das somit als das Geburtsjahr der modernen, ständigen Geschästs-reklame zu betrachten wäre. Und heute, uach kaum zwei Menschen-altern, ist die Reklame ein unentbehrlicher Bestandteil rationellerWirtschaftsführung geworden.Sie gehört heute zum eisernenBestände unseres Wirtschaftslebens: die Gesetze zur Bestrafung desunlauteren Wettbewerbes, der oonouri-enoe 66lo)'als, habeu siefeierlichst sanktioniert. Für den Geschäftsmann ist die Reklameheute das, was der Lotse für das Schiff ist. Die notwendige Kraftist da, Dampf ist in der Maschine, alles ist in Ordnung, alleMann sind auf dem Posten, aber es kann nichts begonnen werden,wenn der richtige Wegweiser fehlt." Und zwar ist es die not-wendige, die erzwungene Allgemeinheit der Reklamebenutzung, dieunsere Zeit auszeichnet. Kein Geschäftsmann kann sich ihr mehrentziehen: bei Strase des Untergangs. Es gibt genug Leute, dieauch ohne Reklame groß geworden sind, die aber jetzt mit eineinMale zu ihrem eigenen Erstaunen gewahr werden, daß ihr Geschäft