Druckschrift 
Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
290
Einzelbild herunterladen
 

290

Der Verkehr.

art in ihre Rechte, deren Entwickelung zu ungeheurer Verbreitungganz und gar dem neunzehnten Jahrhundert angehört. Ich habein einein der ersten Kapitel einige Angaben gemacht über die Ge-burtsjahre der Droschken und Omnibusse iu verschiedenen deutschenStädten. Seit jenen Tagen nun hat, wie jedermann weiß, dasstädtische Straszenfuhrwesen reißende Fortschritte gemacht. Es magzur Kennzeichnung seiuer Expansionsgewalt genügen, wenn ich ausden im Statistischen Jahrbuch deutscher Städte gesammelten An-gaben die Zahl der Droschken mitteile, deren 45 Großstädte imJahre 1899 zusammen IS 410 besaßen, und hinzufüge die Anzahlder durch die Straßenbahnen beförderten Personen; das waren indemselben Jahre 761 448 417, wobei jedoch zu vermerken ift, daßdie Zahl der aus der Straßenbahn ausgeführten Fahrten nocherheblich größer ist, maßen in obiger Summe die Abonnentennur je eiumal gezählt sind. Welch ein erhebendes Gefühl mußuns, die Enkel, überkommen angesichts solcher Ziffern, wenn wirbedenken, daß zur Zeit unserer Großväter noch nicht ein einziger sage uicht eiu einziger! Mensch in Deutschland des Glückesteilhaftig wurde, in einem so schönen großen Glaskasten täglichwomöglich zweimal befördert zu werden, in dem dem Kuustbedürsnisdurch allerhand hübsche Neklamebildchen die ganze Fahrt überRechnung getragen wird und in der die Errungenschaften modernerHygiene verwirklicht sind in den fürsorgenden Inschriften:Nichtin den Wagen spucken!"

Was aber ist aus dem Frachtsuhrwesen derguten, alten Zeit"geworden? Oder allgemein ausgedrückt: aus dem Gütertransportauf der Achse? Nun, verschwunden ist er keineswegs. Die beimFrachtfuhrgeschäft erwerbstätigen Personen sind heute viel zahl-reicher als zu Beginn des Jahrhunderts. Wenn wir auch nur dieZiffern aus der Mitte des Jahrhunderts (als der Gütertrausportauf der Achse bereits eine viel größere Bedeutuug als zu Beginndes Jahrhunderts hatte) mit denen des Jahres 1.895 vergleichen,so finden wir durchgängig ein starkes Anwachsen dieser Personen-kategorie. 1846 waren im Königreich Preußen imFracht-, Stadt-und Neisefuhrweseu" 18 670 Personen tätig; 1896 auf demselbenGebiet 50 622 (ausschließlich dem Eisenbahn- und Straßenbahn-