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Der Verkehr.
fahrtgesellschaften und ähnlicheil Fuhrwerken in den Straßen unsererGroßstädte. Von den 56853 Personen, die im Jahre 1895 dasFrachtfnhrgeschäft in Deutschland betrieben, entfielen auf die28 Großstädte (über 100000 Einwohner) allein 15139, also mehrals ein Viertel.
Die zweite große Wandlung, die das Frachtfuhrweseu imneunzehnten Jahrhundert durchgemacht hat, ist seiue Überführungaus der handwerksmäßigen in die kapitalistische Organi-sation! ein Prozeß, der sich übrigens in ganz ähnlicher Weiseim Personentransportgewcrbe vollzieht.
So viel wir zu erkennen vermögen, liegt der Frachtverkehrzn Beginn des neuuzchuteu Jahrhunderts in den Händen kleiner,selbstständiger, häufig auch zünftig organisierter Kärrner, derenjeder einzelne auf eigene Rechnung und Gefahr meist im direktenVerkehr mit Verladern und Empfängern den Transport in ver-hältuismüßig kleiuen Mengen — den miserablen Wegen entsprechend— besorgte. Hierin änderte sich schon manches während der erstenHälfte des Jahrhunderts, auch als die volkswirtschaftliche Funktiondes Frachtfuhrwesens noch immer der vrtsferne Gütertransportgeblieben war. Die Fahrten wurdeu schneller, die Ladungen größer:beides ermöglicht durch die zunehmende Verbesserung der Wege.„Nach den auf mehreren Straßen Deutschlands gemachten Beobach-tungen," schreibt der Freiherr von Reden um die Mitte des Jahr-hunderts, „war das auf ein Pferd berechnete Durchschuittsgewichtvor 30 Jahreu 10—16 Zentner, vor 20 Jahren 20—28 Zentner,in neuester Zeit 28—32 Zentner; Vierspänner mit 100—120 Zentnergehören nicht zu den Seltenheiten." Gleichzeitig wurdeu die Fahrtenregelmäßiger. Für das Vertehrsgebict der Frankfurter Messe berichtetuns Kanter, daß die Frachtwagen 1815 einmal wöchentlich, in den1830er Jahren aber täglich sichren: das war in dem am weitestenfortgeschrittenen Teile Deutschlands ! für andere Gebiete werden wirdie täglich fahrende Frachtfuhre zwauzig Jahre später ansetzen dürfen.Dann aber beobachten wir, wie auch die wirtschaftliche Strukturdieses Gewerbes sich deu Nerhältuisseu entsprechend wandelt. Esscheint zunächst das Auftreten des größeren Spediteurs zu feiu,das dem kleinen handwerksmäßigen Kärrner den Untergang bringt.