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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Die besonderen Vorteile des Wassertransports.

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Periode der 1870er Jahre in Deutschland für sehr viele Jndustrie-und Handelszweige den Ausschlag zu gunsten des Wassertrans-ports. Diese größere Billigkeit hat teilweise ihren Grund iu derTechnik des Transports selbst. Nach den Angaben des MajorsKurs kostete ein großer, moderner, eiserner Rheinschleppkahu von2 000 Tonnen Ladefähigkeit 1897/98 etwa 90-95 000 Mark,die Ausrüstung inbegriffen; die Tonne Laderaum also 4518 Mark.Dagegen kostete ein Güterwagen von 10 Tonnen Tragfähigkeitzur fclben Zeit etwa 2400 Mark, die Tonne Laderaum somit240 Mark. Dazu kommt, daß das Flußschiff eine geringere Zug-kraft benötigt: mit 1 m Geschwindigkeit in der Sekunde zieht einPserd auf den Schienensträngen einer horizontalen Eiseubahn-ftrecke 15, auf horizontaler Wasserfläche aber 60 bis 100 Touueu.Teilweife wird die größere Billigkeit des Wassertransports damitbegründet, daß die Aufweuduugen, die der Staat für Flnßkorrektiouund Kanalbau macht, nicht iu gleicher Weise von den Interessentenin Form von Abgaben verzinst werden wie die Anlagen derEiseisbahnen. Man rechnet, daß allein der preußische Staat an-nähernd 20 Millionen Mark mehr für die Schiffahrtswege jährlichausgibt als er erhält, während ihm die Eisenbahnen Hundertevon Millionen Mark bare Überschüsse liefern. Tatsache istjedenfalls, daß heute die Beförderuug auf dem Wasserwege er-heblich geringere Kosten verursacht, wie auf der Eisenbahn: aufdem 23 km langen Ems-Jade - Kanal werden für Stückgüteretwa 1.5 Pfeuuige für Tonne und Kilometer gezahlt (auf denpreußischen Eisenbahnen 611 Pfennige), auf der Elbing-Ober-ländifchen Wasserstraße nach Dauzig 1.92.6 Pfennige für Holzin Kahnladuugen, auf der Strecke Stettin-Berlin 1.01.6 Pfennigefür Holz, 2.13.3 Pfennige für Stückgüter, auf der StreckeMagdeburg-Stettin 2.1 2.6 Pfennige für Stückgüter, von Brom-berg nach Hamburg 1.41.9 Pfennige. Alle diese Wasserläufesind zum Teil künstliche. Dagegen werden Massengüter auf freiengroßen Strömen wie Elbe oder Rhein für 0.8 Pfennige bis unter0.6 Pfennige Pro t liw gefahren, während hierfür (von Ausnahme-tarifen, die aber auch nur bis 1.5 Pfennige heruntergehen, ab-gesehen) die Sätze der Eisenbahnen (Spez. Tar. III) 2.2 Pfennige