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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Indirekte Abhängigkeit des Handwerks vom Kapital -

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Um zu begreifen, was es mit dieser Bemerkung auf sichhabe, wird es der ausdrücklichen Erinnerung bedürfen, daß der ge-werbliche Kapitalismus keineswegs, wie es die gemeine Meinungbisher annahm, immer nur in der Form des großen Fabrikbetriebeomit allem Schingterra höchstentwickelter Technik seinen Einzug indie unterworfeneu Gebiete der gewerblicher Produktion hält. Das;er vielmehr häufig genug in ganz bescheidenem Auftritt erscheint,in ganz anspruchslosen Formen, die sich auf den ersten Blick vondenen der handwerksmäßige Organisation kaum unterscheiden. Jaiu vielen Fälleu ist an der Art uud Weise, wie die Güter-erzeugung und der Güterabsatz sich vollziehen, so gut wie nichts ge-ändert, nnd doch müssen wir feststellen, daß das Kapital mit einemFuße wenigstens bereits in dem ehemaligen Produktionsgebiete desHandwerks steht. Das sind diejenigen Fälle, die ich als Fälle in-direkter Abhängigkeit vom Kapital bezeichnet habe. Sie liegenvor, wenn der Kapitalist den Handwerker, zu dem er sonst keineBeziehung hat, nur dadurch ausbeutet, daß er ihn, den Produzenten,seine Erzeugnisse zu Schleuderpreisen an ihn, den Geldbesitzer, deralsdann meist Händler ist, abzusetzen zwingt; oder aber, wenn derHandwerker in eine Art von Schuldkuechtschaft zu eiuem Geld-darleiher gerät, der ihm die Mittel zur Daseiusfristung oder zurAusübung seiner Tätigkeit vorschießt. In beiden Fällen bleibt derHandwerkerselbständiger Meister", wird auch von der Statistikund von oberflächlichen Beobachtern als solcher gewertet i in Wirk-lichkeit ist er kapitalhörig geworden, er frohndet, um die Geldsummeeines fremden Mannes zu nutzen, der einstweilen diese Nutzungsartbequemer findet als die Begründung einer selbständigen kapita-listischen Unternehmung.

In derartige Abhängigkeit vom Kapital sind nun heute zahl-reiche Handwerker geraten, namentlich unter den Bäckern, Bau-handwerkern und Möbeltischlern.

Viele Bäcker sind nichts anderes als die Puppen, die von denMehlhändlern oder den Häuserbesitzern in den Laden gesetzt werden.Sie besitzen selbst keinerlei Vermögen; ihre Selbständigkeit ist dahereine meist nur scheinbare.

Ganz besonders verschlungen sind die Beziehungen zwischen