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Das Gewerbe.
Kapital und Handwerk im Baugewerbe. Hier befindet sich derkleine Handwerker überall dort in einer gedrückten Lage, wo eriund das ist heute in allen größeren Städten die Regel), statt wiefrüher mit einem privaten Bauherrn, mit einem kapitalistischen Unternehmer seine Verträge abschließt: mag dieser wie bei denmeisten Spekulationsbanten ein sogenannter Zwischenunternehmeroder ein solider Architekt oder eine Bauunternehmung, ein Bau-geschäft oder sonst etwas, mag der Bau eiu Bestellungs- oder einSpeknlationsbau sein. Immer hat sich jetzt die Sachlage insofernzu Ungunften des Bauhaudwerkers verschoben, als er mit einerGegenpartei zu tun hat, die nach Profit strebt und den eigenenProfit zu vermehren trachtet dadurch, daß sie den Gewinn desHandwerkers selber zu verringern sucht. Man bemüht sich, diesenletzteren in einen möglichst erbitterten Konkurrenzkampf mit seinenGenossen hineinzutreiben, was bei der naturgemäß schwachen Stellungder Kleiuhandwerker in der Regel nicht schwer fällt. Das überauswirksame Mittel, dessen man sich zu diesem Zwecke bedient, ist dasSubmissionsverfahren: die Handwerker werden aufgefordert, Gesamt-angebote für die Übernahme der betreffenden Banarbeit zu machen,und dadurch veranlaßt, sei es aus Unkenntnis, sei es aus Not,ihre Forderungen so tief herabzudrücken, daß ihr Verdienst imbesten Falle ein anständiger Arbeitslohn ist. Dazu kommt, daßsehr häufig durch ein sehr verschmitztes Verfahren die kleinen Bau-handwerker überhaupt um ihren Verdienst oder ihr ganzes Geldgebracht werden, weil im entscheidenden Augenblicke ihr Auftrag-geber, ein mittelloser Zwischenunternehmer, dessen sich das Kapitallediglich als Strohmann bedient, zahlungsunfähig wird. DieSummen, die auf diesem Wege des sogenannten Bauschwindelsvon den Handwerkern namentlich in den großen Städten in denletzten Jahrzehnten verloren worden sind, gehen sicher in dieHunderte von Millionen.
In einer anderen Form wiederum ist der Möbeltischler ab-hängig vom Kapital geworden. Hier hat die moderne Entwickelungzuvörderst eine weitgehende Spezialisation unter den einzelnenTischlern erzengt. In Berlin beispielsweise gibt es Tischlerei-betriebe, die nur Schränke, Tische, Stühle, Kommoden, Nähtische,