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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
386
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Die Landwirtschaft.

Dinge nun immer nur unter dem Gesichtspunkte höchstmöglicherErtragfähigkeit zu werten. In allen anderen Sphären des Wirt-schaftslebens ist das leichter: zwischen einem Hochofen oder einerPapierfabrik und ihren Besitzern knüpft sich kein Band vonirgend wie persönlicher Färbnng. Solche Vermögensobjekte könnenihrer Natur nach immer nur unter quantitativ-ökonomischem Ge-sichtspunkte gewertet werdeu. Wozu denn nun kommt, daß diewirtschaftlichen Vorgänge selbst, ebenso wie die Erzeugnisse in derLandwirtschaft, in viel stärkerem Maße eine persönliche Note tragen,auch in größeren Wirtschaften, als irgendwo sonst. Es ist etwasWesens anderes, Bieh zu züchten als Garn zn spinnen. Abermalswird es dem Landwirt schwerer als andern Wirtschaftsleitern, alleseine mit liebevoller Hingebung und eingehender Sorgfalt erzeugtenProdukte nun lediglich wiederum als Geldgrößen, als reine Quan-titäten anzuschauen und zu werten.

Was alles zu dem Schlüsse führt: daß schon ganz besondereUmstände zusammentreffen müssen, um die Gutswirtschaft in diestreng kapitalistische Organisation überzuführen.

Ich möchte sagen, erst dem Landwirt auf fremdem Grund undBoden, dem Pächter, eignet die erforderliche Unbefangenheit, dasBesitztum, das ihm nicht gehört, nun ausschließlich als Erwerbs-gegenstand zu betrachten. Der rücksichtslose, kalte Geschäftsstand-puukt wird in der Regel nur bei Pächtern zu finden sein. Woder Pächter vorherrscht, wird er dann leicht mit seinem Geist alleGutsbesitzer einer Gegend durchtränken. Daher wir die höchsteEntfaltung kapitalistischer Wirtschaft mit starker Verbreitung desPachtverhältnisses Hand in Hand gehen sehen.

Man könnte allerdings dem auch den Gedanken entgegenhalten:wo die sachlichen Bedingungen kapitalistischer Landwirtschaft er-füllt siud, finden wir den Pächter. Was auch seine Berechtigunghat. Diese sachlicheil Bedingungen erblicke ich namentlich infolgendem: fruchtbarem Bodeu, der intensiven Anbau lohnt, guterVerkehrslage, vor allem aber Verbindung der Landwirtschaft mitindustriellen oder kommerziellen Unternehmungen. Wo diese sichdem landwirtschaftlichen Betrieb angliedern, zersetzen sie die altenantikapitalistischen Anschauungen, und es strömt unmerklich der