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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Die deutsche Volkswirtschaft und der Weltmarkt.

Waren zwischen den einzelnen Ländern umgesetzt werden als vorfünfzig oder hundert Jahren. Um zu dieser Einsicht zu gelangen,genügt eS zu wissen, daß achtzig mehr als zehn ist. Verstehtman aber unter weltwirtschaftlicher Organisation einen Zustandfortgeschrittener Disferenziierung und Jntegrierung der einzelnenVolkswirtschaften untereinander, ein zunehmendes Überwiegen derinternationalen Beziehungen über die nationalen, so ist diese (sovielich sehe) einzige Weisheit, die die handelstheoretische Literaturdes letzten Menschenalters zu Tage gefördert hat, gauz ent-schieden falsch.

Die Kulturvoller, so behaupte ich vielmehr, sind heute (imVerhältnis zu ihrer Gesamtwirtschaft) nicht wesentlich mehr, son-dern eher weniger durch Handelsbeziehungen untereinander ver-knüpft. Die einzelne Volkswirtschaft ist heute nicht mehr, sonderneher weniger in den Weltmarkt einbezogen, als vor hundert oderfünfzig Jahren. Mindestens aber (und dafür kann ich den ziffer-mäßigen Nachweis erbringen) ist es falsch anzunehmen, daß dieinternationalen Handelsbeziehungen eine verhältnismäßig wachsendeBedentnng für die moderne Volkswirtschaft gewinnen. Das Gegen-teil ist richtig. Die Entwickelung der letzten Jahrzehnte hat wenig-stens für die deutsche Volkswirtschaft eine Abnahme des An-teils der auswärtigen Handelsbewegung an der Gesamt-leistung der wirtschaftlichen Tätigkeit als Ergebnis gehabt.Sicher für die Ausfuhr, wahrscheinlich auch für den Gesamthandel.

Wie aber liegen die Dinge, wenn wir die weit auseinander-liegenden Zeiträume von 1800 und 1900 ins Auge fassen? Ge-naue Bilanzen für die Zeit vor hundert Jahren besitzen wirnicht. Ich stelle aber folgende Betrachtung an: Im Jahre 1802berechnete Krug das durchschnittliche Einkommen eines preußischenUntertanen auf 27^ Taler, also 81^ Mark. Für das Jahr1830 setzt man den Gesamtwert des deutscheu Außenhandelsauf 660 Millionen Mark an. Ich glaube, man wird nichtfehlgreifen, wenn man annimmt, daß der Volkswohlstand 1830eher niedriger war, als 1802. Nehmen wir ihn als gleich-geblieben an, so würde auf den Kopf der Bevölkerung also einEinkommen von rund 80 Mark entfallen, dagegen ein Anteil.am