Die Bedeutung d. iuternat. Haudelsbeziehuugeu vor 100 Jahren u, heute. 429
auswärtigen Handel von rnnd 22^ Mark i Teutschland hattedamals 29^/2 Millioueu Einwohner), das wären ruud 28°/^ vomGesamteinkommen. Für das Jahr 1895 berechnet Mulhall dasEinkommen eines Deutscheu auf durchschnittlich 506 Mark, derWert der Einsuhr und Ausfuhr betrug iu jenem Jahre (imSpezialHandel) 7670 Millionen Mark, also auf den Kopf derBevölkerung 148 Mark. Der Anteil des einzelnen am Außen-handel würde also 29"/^ (gegen 28°/<> im Anfange des Jahrhunderts)ausmachen; er wäre also so gut wie unverändert geblieben.
Das sind natürlich Berechnungen, die auf teilweise sehr an-fechtbaren Zahlen beruhen. Alle Schätzungen des Volkseinkommensoder Volksvermögens sind mehr oder weniger Spielereien. Immer-hin wird man jene Rechnungen so lange anstellen und sie auchals Beweismaterial benutzen dürfen, als die entgegengesetzte (herr-schende) Anffassnng keine besseren und' zuverlässigeren Beweise fürdie Nichtigkeit ihrer Behauptungen erbringt.
Um den hier vertretenen Standpunkt zu stützen, find nunaber derartig vage Kalküls nicht einmal notwendig, maßen wirgenügend zuverlässiges Material besitzen, um die These von derabnehmenden (oder wenigstens sich gleichbleibenden) Bedeutung derinternationalen Handelsbeziehungen für die einheimische Volks-wirtschaft in ihrer Nichtigkeit zu erweisen.
Ich beginne mit der Ausfuhr, für die ich vor einigen Jahrenbereits den ziffermäßigen Nachweis erbracht habe, daß sie wenig-stens in den letzten Jahrzehnten eine „fallende L.note" der deut-schen Gesamtproduktion ausmache. Weitere Nachforschungen, derenErgebnisse ich im folgenden mitteile, haben mich in meiner Auf-fassung nur bestärkt.
Damals hatte ich nur von dem Jndustrieexport gesprochen.Will man jedoch die Frage allgemein entscheiden, ob Teutschlandmehr oder weniger in die Weltwirtschaft eingegliedert sei, so mußman natürlich auch das wichtigste Gewerbe: die Landwirtschaftin Berücksichtigung ziehen. Diese lernten wir, bei unserer Über-schau über die deutsche Volkswirtschaft im ersten Drittel desJahrhunderts, als ein ausgesprochenes Exportgewerbe kennen.Heute, wie jedermann weiß, deckt sie nicht annähernd den ein-