Die Kulturbasis erfährt eine unerhörte Verbreiterung. 47g
bedingnngen des deutschen Volkes und seiner geistigen Kultur ob-walten, so bedarf es wohl erst keiner besonderen Hervorhebung,das; eS sich dabei lediglich um einige diskrete Andentuugeu handelnkann, mehr um Hinweise, wo die Zusammenhänge zu suchen siud,maßen ja andernfalls eine Darstellung der geistigen Kultur selbstgegeben werden müßte, diese aber aus dem Nahmen dieses Buchesherausfalleu würde. Schade, aber es hilft nun einmal nichts.Auch das Dasein des schriftstellerndeu Gelehrten setzt sich auseiner Summe schmerzlicher Verzichte zusammen. Was er amliebsten möchte, muß er sich gerade versagen. Ausdrücklich zuwarnen wäre auch vor dem Mißverständnis, dem man so hänfigbegegnet: als sei der Nachweis eines Zusammenhanges zwischenwirtschaftlicher und geistiger Kultur gleichbedeutend mit einer Er-klärung dieser. Wovon natürlich keine Rede ist.
Nun also: worauf ich zunächst die Aufmerksamkeit des Leserslenken möchte, siud die greisbaren Wirkungen, die die Entstehungder Masse, dieses voruehmsten Wahrzeichens des Jahrhunderts, auchaus die geistige Kultur unseres Voltes ausgeübt hat. Die an-schwellende Volksmenge und der zunehmende Reichtum habenzunächst eine Verbreiterung der Knlturbasis ermöglicht, wiesie in gleichem Umsange in keinem der früheren Jahrhunderteerreicht worden ist. Was man auch so ausdrücken kann: daß dieextensive Kulturentwickeluug iu diesem Zeitraume von nie da-gewesener Stärke war.
Dazn hat schon die beträchtliche Vermehrung der Kultur-spender das ihrige beigetragen, ich meine die Vermehrung der-jenigen Leute, die sich für Gelehrte, Künstler, Dichter, Musikerhalten uud (weil sie nicht eine bürgerliche Nahrnng zu ergreisenbrauchen) der Welt die Erzengnisse ihre? Geistes zum besten geben.Es ist klar, daß nur der zuuehmeude Reichtum einer Nation esermöglicht, ein wachsendes Heer von Nichtstuern zu ernähren. ZuJesu Zeiten war Palästina so arm, daß jeder Gelehrte nebenbeiein Handwerk treiben mußte; auch die Mönche des früheren Mittel-alters mußten Hand anlegen, um ihren Unterhalt wenigstens zumTeil selbst zu erwerben, und wer später nicht als Minnesängervon den Arbeitserträgen seiner Bauern leben konnte, mußte als