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Wirtschaft und Kultur,
Verlernt. Und die große Mehrzahl verlangt auch während jenervier Wochen überhaupt nicht mehr nach Natur. Sie sind erstzufrieden, wenn sie auch draußen auf der Digue, an der Berges-lehne oder an den Nfern des Alpensees Asphalt unter ihrenFüßen fühlen.
Aber seltsam: aus diesen Steinenwüsten, in denen die Menschheit(wie es scheint: immer) den Kreislauf ihres Daseins beschließt —
tilo8uto non vi vsäe altro ode tunti sspoleri sontuosi olleuim luorilioncig. NÄZiions iunaliii», eck iriAranclises xer riporvi ec»ncksesn^a e von kaskn 1s sus ceneri istesss", meinte vor hundertJahren schon Filangieri, der Sohn des Städtelandes Italien —blüht eine Blume hervor, die man nicht anstehen dars, als eineder köstlichsten menschlicher Kultur zu preisen: die Knnst in ihrerhöchsten und vollendetsten Form, als schöne Sinnlichkeit, als bildendeKunst. Ländliche Kulturen haben wohl die Philosophie, dieDichtuug, die Musik geboren: die Kunst in ihrer hohen Vollendungnie. So viel wir von der Menschheitsgeschichte wissen, haben nurstädtische Kulturen die Blüte der bildenden Kunst getrieben. Erstin der Entfernung von der Natur, so scheint es, wird jene Freudeam Sinnlichen, wird jene Fähigkeit zur Gestaltung erzeugt, dieden Nährboden der bildenden Kunst abgibt. So lange die Menschenin Sinnlichkeit leben, inmitten der tausendfach lebendigen Natnr,bauen sie viel eher mit ihren Gedanken sich eine unsinnliche Geister-welt auf, eine Welt der philosophischen oder dichterischen Ideale,zu der sie sich erheben. Erst wenn sie in die Städte kommen,aller Ursprünglichkeit bar werden, empfinden sie das Bedürfnisnach bildender Kunst, nach selbst gestalteter Sinnlichkeit. Es istbeides eine Art von Reaktion gegen das unmittelbar Gegebene, vonKontrasterscheinung. Demi gerade die bildende Kunst stellt sichals höchstes Ziel: die Wiedergabe der Natur, man könnte sagen:die Wiedereroberung der verlorenen Natur.
Damit beginnt denn nun eine ganz neue Kulturepvche: dieEpoche der sinnlich-künstlerischen Kultur. Das leiteudePrinzip der bildenden Kunst: die Anschaulichkeit wird zum herrschen-den Kulturprinzip überhaupt. Das geistig-philosophisch-ästhetisch-literarische Weseu verschwindet, das ehedem uicht nur die geistigen,