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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Wirtschaft und Kultur,

Mit dieser Kennzeichnung ist aber auch schon angedeutet,worin denn nun die innere Eigenart des also vereinheit-lichten Stadtmenschentypus besteht, wenn wir ihn mit demnmud sapiens yuo ante in Vergleich stellen.

Eine Anzahl charakteristischer Züge des neuen Geschlechteskennen wir schon, nämlich diejenigen, die aus der überragendenBedeutung der Menschen- und Gütermasse sich ergeben. Hier giltes, unS klar zu machen, welchen entscheidenden Einfluß auf dieNeugestaltung der Volkspsyche die Paarung der Masse mit demWechsel auszuüben imstande ist.

Ich denke, man wird zunächst feststellen können, daß die Un-beständigkeit aller äußeren Lebensbedingungen auch im Innern dieMenschen unstet, unruhig und hastend gemacht hat. Die stilleBeschaulichkeit, die sichere, iu sich ruhende Behaglichkeit der früherenZeit sind verschwunden. Die Sorge um das Morgen, die Un-sicherheit des Heute haben eine stete Anspannung aller Kräfte, eineunausgesetzte Aufmerksamkeit nötig gemacht. So ist der Schlen-drian dem Tätigkeitsdrangs gewichen; wo ehedem der Friede imInnern war, ist heute der Kampf. Dieser verschärfte Kampf umsDasein aber hat das Geschlecht härter gemacht. Die weicherenRegungen des Herzens sind zurückgetreten, die Willenssunktionenstärker entwickelt.

Aus diesem verschärften Kampfe ums Dasein erklärt sich auchdie Jntensivisierung, das heißt die Beschleunigung unserer Lebens-führung: die Notwendigkeit, in einer gegebenen Zeit mehr Energieauszugeben, um eine höhere Nutzwirkung zu erzielen. Und diesesIinensitätsstreben erhält neue Nahrung aus dem massenhaften Ein-stürmen immer neuer Eindrücke auf unser Geistesleben, das inuns das Bedürfnis nach immer stärkeren Reizen mit Notwendig-keit weckt. So erzengen Masse und Wechsel selbst wieder dasBedürfnis nach Masse und Wechsel, iu denen sich das objektivewie das subjektive Dasein der modernen Kulturvölker zu erschöpfenscheint.

Aber das Haften und Drängen unserer Zeit wird dann wiederbestimmend für andere wichtige Züge unseres Kulturlebens. Esnimmt uns die Maße zur iutcllektuelleu uud gemütlichen Per-