— werden aus objektiven nnd subjektiven Gründen loser.
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sondern ist zu einem wesenlosen Teilfunktionär in dem gesellschaft-lichen Produktionsprozeß geworden. Soll die Knopflochnähterinin einer Schuhfabrik sich als Schusterin fühlen? oder der Bursche,der eine Nägelmaschine bedient, als Schmied? Dazu kommt, das;die hochentwickelte moderne Berufsorganisation immer mehr Raumfür die sogenannte „ungelernte", besser qualitätslose Arbeit bietet,oder aber die ehemals „gelernte" Handarbeit zn einer (unter Um-ständen sehr schwierigen uud darum nach wie vor „gelernten")Maschinenarbeit umwandelt. In diesen Fällen ist aber wiederumdie Beziehung des Arbeiters zu dem inneren Wesen der gesamtenProduktionstätigkeit loser geworden, die Arbeit ist wiederum umein. weiteres Stück versachlicht.
Aber der wichtigste Umstand ist doch vielleicht dieser: imNahmen der kapitalistischen Wirtschaftsform ist der technischeArbeiter, in dem doch vor allem die bestimmt gefärbte Berufs-arbeit das Berufsbewußtsein erzeugen muß, an dem wirtschaft-lichen Erfolge seiner Tätigkeit nicht mehr interessiert. Der Pro-duktionsleiter jedoch, der allein noch ökonomisch an dem Produktious-erfolge ein Interesse hat, ist nicht mehr technischer Arbeiter, hatalso gar ke'n qualitativ gefärbtes Verhältnis mehr zu dem Inhaltseiner produktiven Tätigkeit. Er entwickelt immer mehr seine ab-strakte Händlernatur. Daß er gerade Leder statt Eiseu, Mehlstatt Garn herstellt, ist doch für seine Eigenschaft als kapitalistischerUnternehmer vollständig gleichgiltig. Morgen wird er das Ledermit dem Eisen, das Garn mit dem Mehl vertauschen: der Inhaltseines Produzententums ist beliebig auswechselbar. Wie sollte erein Berufsbewußtsein entwickeln? Höchstens einmal bei der ^Be-rechnung der Unfallreuten oder bei der Beratung des Zolltarifs.Aber darauf kann doch keine feste Berufsgliederung fußen. Zuden seltsamsten Gedanken unserer an seltsamen Gedanken so reichenZeit gehört deshalb auch der: die Verfassung eines modernenStaates auf der Grundlage etwa der Berufsgeuossenschaften, alsoiu „Verufsstäuden", aufbauen zu wollen.
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