Druckschrift 
Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
511
Einzelbild herunterladen
 

Die bloße Zahl besagt noch gar nichts.

511

sehr wenig bedeutungsvoll, ob eine Gruppe von Personen 1000oder 2000 Mark Einkommen bezieht, ob sich ihr Einkommengesteigert oder verringert hat, so lange ich von den sonstigen Ver-ändernngen, den, veränderten Qualitäten nichts weiß. Selbstver-ständlich (aber das meine ich gar nicht) vvm allgemein mensch-lichen Standpunkte aus. Aber auch in rein ökonomisch-sozialerBetrachtungsweise, wie aus den eben gemachten Andeutungen ohneweiteres hervorgeht. Und deshalb wird man auch, wenn man dieVeränderungen untersucht, denen die Schichtung einer Gesellschaftunterwvrfeu worden ist, sein Augenmerk nicht sowohl auf die Per-schiebungen in der Einkommensverteilung richten müssen, als viel-mehr auf die Veränderungen der Lage in qualitativer Hinsicht.Sie werden die eigenartige Struktur einer Gesellschaft viel besserzum Ausdruck briugeu, als jene rein quantitativen Verschiebungen.Eine wichtige Qualitätsveränderung unserer Gesellschaft lerntenwir schon kennen: die berufliche Neugestaltung. Wir sahen aberauch, daß diese wenigstens für die Gruppenbildnng in der Gesell-schaft ihre Bedeutung mehr und mehr verloren hat. Unsere Sorgemnß deshalb sein, nach Verschiebungen in der Lage der einzelnenBevölkerungsteile Deutschlands Ausguck zu halten, die für diewirtschaftliche Lage des einzelnen entscheidend (weil qualitativ be-stimmt) und gleichzeitig für die soziale Schichtung bedeutsam (weilgruppenbildend) sind. Das hiermit gestellte Problem soll das letzteCapitel erörtern, das von den sozialen Klassen handelt.