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Mitglieder einer Gesellschaft ermöglicht, wie sie früher nichtmöglich war. Das haben die modernen Verkehrsmittel be-wirkt, die uns der Kapitalismus geschaffen hat. Die Mög-lichkeit, heutzutage über ein großes Land hin in wenigenStunden sich verständigen zu können, mittels Telegraph,Telephon, Zeitungen, die Möglichkeit, große Massen mit denmodernen Transportmitteln von einem Orte zum andernzu werfen, hat einen Zustand des Zusammenschlusses größererMassen, ein Gefühl der Allgegenwart erzeugt, das allen frü-heren Zeiten unbekannt war. Zumal in den modernenGroßstädten. Die Leichtigkeit großer Massenbewegungen istdadurch enorm gewachsen. Und gleicherweise ist dasjenigein den Massen gewachsen, was wir die Bildung zu nennengewohnt sind: Kenntnisse und mit den Kenntnissen die An-- sprüche.
Mit dieser Lebendigkeit aber aufs engste verbunden istdasjenige, was ich die Nervosität der modernen Zeitnennen will, die Unstätigkeit, das Hastende, Unsichere allerExistenz. Durch die Eigentümlichkeit der Wirtschaftsver-hältnisse ist in allen Zweigen nicht nur des ökonomischen,sondern jeden sozialen Daseins überhaupt dieser Zug derUnruhe, des Haltens eingedrungen. Das Zeitalter des freienWettbewerbes äußert sich auf allen Gebieten: jeder strebtdem andern voraus, keiner fühlt sich sicher, keiner wirdseines Daseins froh. Die schöne beschauliche Ruhe ist dahin.
Und endlich noch eins! Ich will es einmal den Re Vo-lution arismus nennen und meine damit, die Thatsache ,daß niemals eine Zeit wie die unsrige eine solche totale Um-schichtung aller Daseinsformen erlebt hat. Alles ist in Flußgekommen: Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst,Sitte, Religion; alleVorstellungen davon befinden sich in einem solchen Gärungs-prozesse, daß wir schließlich zu dem Wahne gedrängt werden,es gäbe Festes überhaupt nicht mehr. Und das ist vielleichteines der allerwichtigsten Momente für die Erklärung desInhaltes der modernen sozialen Bestrebungen. Es erklärt