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heilen wollen, die sie blutigen Herzens beobachten, die dasElend, das sie gewahren, in dieser allgemeinen Menschen-liebe gleichsam ertränken möchten: „Liebet euch untereinanderals Menschen, als Brüder"! ist das Thema ihrer Predigten,Allen diesen Strömungen - ich nenne hier nur ihre Quellen; siealle fließen heuzutage noch weiter - allen diesen Strömungenist, wie ich sagte, gemeinsam, daß sie prinzipiell festhalten anden Grundlagen der bestehenden sozialen Ordnung; weshalbich sie reformatorische nannte, Ihnen gegenüber tritt nuneine andere, revolutionäre Litteratur. Revolutionäralso deshalb, weil sie die Grundlage des kapitalistischen Wirt-schaftssystems Prinzipiell beseitigen, umändern, umgestaltenwill. Und zwar will sie das nach zwei verschiedenen Rich-tungen hin: wenn ich es in zwei Worten ausdrücken darf,rückwärts einerseits und vorwärts anderseits.
In jener Zeit, wo die wirtschaftlichen Gegensätze sich ent-wickeln und mit ihnen die neuen Erscheinungen der anti-kapitalistischen Litteratur an die Oberfläche kommen, findenwir nicht am schwächsten vertreten eine revolutionär-anti-kapitalistische Litteratur, die eine Rückbildung des be-stehenden Wirtschaftssystems fordert. Es sind dieSchriften der Adam Müller und Leopold von Haller imersten Drittel unseres Jahrhunderts, an die ich denke, Schrif-ten von Männern, die die Grundlagen, auf denen sich dasmoderne kapitalistische Wirtschaftssystem anfbant, in demSinne geändert haben wollen, daß die zerbröckelnde, zünft-lerisch-feudale Ordnung des Mittelalters an die Stelle derbürgerlich kapitalistischen trete. Auch das sind Erscheinungen,die heutzutage durchaus noch nicht ihr Ende erreicht haben,sondern noch in zahlreichen Strömen weitersließen, inStrömen, die allerdings teilweise zu seichte« Bächlein gewor-den sind.
Und dann neben diesen reaktionären Erscheinungen eineandere Richtung, welche nicht diese Rückschraubuna in alteFormen will, welche aber gleichwohl eine prinzipielle Be-