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Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
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Wirtschaftsordnung vorgeschlagen werden, sei es vor allen:so, daß die Grundzüge der sozialen Ordnung anerkanntwerden, daß mau aber die Menschen in ihrem Denken undFühlen geändert sehen möchte. Es wird ein neuer Geist,es wird Buße gepredigt, es sollen die guten Eigenschaftendes Menschen die Oberhand gewinnen: Bruderliebe, Mild-thätigkeit, Versöhnlichkeit.

Dieses reformatorische Streben, das die Schäden undUebel des sozialen Lebens anerkennt, das aber unter prin-zipieller Festhältung des herrschenden Wirtschaftssystems dieSchäden lindern, die Uebelstände beseitigen und verkleinernwill, hat nun verschiedene Ausgangspunkte. Es ist entwederder christliche Gedanke, der die neue Litteratur hervor-ruft, oder aber es ist ein ethischer oder endlich einphilanthropischer Gesichtspunkt, der die soziale Re-formlitteratur beherrscht.

Der christliche Gedanke ist es, der in Anwendung auf diesoziale Welt diejenige Richtung der Litteratur erzeugt, diewir nicht völlig korrekt unter der Bezeichnung deschrist-lichen Sozialismus" zusammenzufassen pflegen. Essind die Schriften der Lamennais in Frankreich , der Kingslei?in England , die, von biblischem Geiste erfüllt, an Unternehmerund Arbeiter gleichmäßig die Forderung richten: Heraus mitdem mammonistischen Geiste aus Euren Seelen; erfülletEure Herzen mit dem Geiste des Evangeliums, demneuenGeiste", wie sie ihn selbst immer wieder bezeichnen. Undganz ähnlich klingen die Stimmen jener erstenethischen"Nationalökonomen, der Sismondi,der Thomas Carlyle ,die nicht müde werden, wenn nicht christlichen, so doch densozialen" Geist zn predigen. Gesinnungswechsel istdie Losung. Mehr an das Gefühl endlich als an die Pflichtund die Religion wendet sich jene dritte Richtung, die ich diephilanthropische nenne: Pierre Leroux in Frankreich ,Grün und Heß inDeutschland sindMänner, die, von einer großen,allmächtigen Menschenliebe erfüllt, mit dieser die Schäden