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Robert Owen war seinem Berufe nach Fabrikant. Mit20 Jahren finden wir ihn bereits als Leiter einer großenSpinnerei. Er legt dann bald selber eine Spinnerei in Lanarckan- Hier lernt er das sogen, praktische Leben aus eigener An-schauung kennen. Wir unterscheiden zwei Perioden in seinemLeben. In der ersten ist er mehr dasjenige, was man einenEdukationalisten nennen kann, ein Mann, der sich vor allem fürdie Erziehung der Jugend interessiert und durch sie eine wesent-lich neue Gestaltung der menschlichen Gesellschaft anstrebt. DasHauptwerk dieser Epoche ist das Buch r>ow vivw ok soeiet/".In der zweiten Periode ist er Sozialist, das wichtigste Buch:
k>oolc ol tds usw inoral vorlä". Uns interessiert Owenwesentlich nur in dieser zweiten Periode, als Sozialist.Was nun lehrt er, und was ist das Wesen dieser ersten Formvon utopischem Sozialismus?
Robert Owen nimmt in seiner Theorie den Ausgangs-punkt von den Erfahrungen, die er unmittelbar in seinerUmgebung machte. Es sind die Zustände seiner Fabriken,in die er eingetreten ist; er schildert uns, wie er die Ar-beiter, namentlich die Frauen und die Kinder, als eine kör-perlich, geistig und moralisch degenerierte Rasse gefundenhabe. Er beginnt also mit einer Erkenntnis der Uebel-stände, durch die sich das moderne kapitalistische Wirtschafts-system auszeichnet: sein Ausgangspunkt ist ein spezifisch pro-letarischer. Diese seine Erfahrungen baut er nun auf aufeinem sozial-philosophischen System, das dem nicht unbe-kannt ist, der sich nur etwas in der Sozialphilosophie des18. Jahrhunderts umgeschaut hat. Es ist Owens sozial-philosophische Anschauungsweise im wesentlichen charak-terisiert dadurch, daß er den Glauben hat an den vonNatur guten Menschen und an eine Ordnung mensch-lischen Zusammenlebens, welche ebenfalls von Natur gut sei,wenn diese Menschen nur in ein richtiges Verhältnis zueinander gebracht werden: den Glauben also an den sog.„orärs liatursl", an eine natürliche Ordnung der Dinge, die