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Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
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am letzten Ende immer die der Propaganda für seinesozialistischen Theorien sein, nicht der mühselige Kampf gegendas Unternehmertum. Ablehnung des Klassenkampfes, derPolitik wie der ökonomischen Arbeiterbewegung, dafür Be-lehrung in Wort, Schrift und Beispiel: darin gipfelt dieTaktik der utopischen Sozialisten, die sich - wie ich Ihnenzu zeigen versucht habe als notwendige Konsequenz ausihrem in schönen, schlanken Linien aufgebauten Systeme er-geben mußte.

Wenn wir damit Abschied nehmen von dem utopischenSozialismus, so müssen wir uns vor dem Glauben hüten,als sei mit jenen großen historischen Vertretern dieser Rich-tung sein Geist nun völlig aus der Welt verschwunden. Nein.Kein Tag vergeht, ohne daß in einer Schrift, in einer Redejene selben Gedankengänge nicht wieder auferstünden, die wirals das Wesen des utopischen Sozialismus erkannt haben. Vorallem in Kreisen wohlmeinender bürgerlicher Sozialpolitikerlebt sein Geist noch heute fort, aber auch im Proletariateselbst ist er noch längst nicht tot. Wir werden noch sehen,wie er in eigentümlicher Kreuzung mit dem Revolutions-gedauken später eine Wiederbelebung erfährt. Deshalb istes mehr als ein historisches Interesse, was sich an die Kennt-nis dieser eigentümlichen Gedankenrichtung knüpft.