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Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert : nebst einem Anhang: Chronik der sozialen Bewegung von 1750 - 1896 / von Werner Sombart
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wenn auf alle diese neuen Vereinigungen des internationalenProletariats die Bilder von Marx und Engels herabschauen,so ist das gewiß kein Zufall und mehr als eine Aeuszer-lichkeit.

Aber wir beobachten nun auch eine ganze Reibe vonMomenten, welche es uns deutlich machen, daß die Be-wegungen der verschiedenen Länder sich mehr und mebreiner Mittellinie näbern, die durch die Leitsätze des Marx'schenProgramms dargestellt wird. Da ist zunächst an die bedeut-same Thatsache Zu erinnern, daß die in ihrem ganzen Geisteursprünglich unökonomisch gerichteten Franzosen jetzt in somächtiger Weise die gewerkschaftliche Bewegung begonnenbaben. Die Schöpfungen der Lourses äu tiav-ül sind ein Be-weis, in welch intensiver Weise dieser Teil der sozialen Be-wegung von den Franzosen kultiviert wird. Hier im Anschlußan diese Institutionen des Klassenkampfes gewinnt dann auchdie Genossenschaftsbewegung einen neuen Anstoß.

Und während die revolutionären und politisch gerichteteFranzosen ökonomisch zu werden anfangen, sehen wir auf deranderen Seite die entscheidend wichtige Thatsache, daß dieenglische Arbeiterschaft Schritt für Schritt vonihrem rein gewerkschaftlichen, rein manchesterlichen Stand-punkt zurückweicht.

Ich habe nie daran geglaubt, als es vor einigen Jahrender Welt verkündet wurde, nach dem zufälligen Beschlusseeines Gewerkschaftskongresses, daß die englischen TradeUnions mit Pauken und Trompeten in das sozialistischeLager übergegangen wäre. So vollziehen sich entscheidendeWandlungen im sozialen Leben nicht, dazu bedarf es eineslangsamen Sichauswachsens. Und wie viel Antipathie nochzwischen den englischen Gewerkvereinlern und einzelnenRichtungen des kontinentalen Sozialismus besteht, habenuns wieder die Vorgänge auf dem Londoner Kongreß indiesem Jahre gezeigt.