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II. Der Krieg von 1306 und 1807
Verschiebungen der Kolonnen waren allerdings vorgesehen. Aberdas Richtige wäre gewesen, vorauszusetzen, daß der französischeKaiser, vom Vormarsche der preußischen Armee nach einiger Zeitunterrichtet, dieser entgegengehen würde. Dann wäre es zu-nächst zu zahlreichen Teilgefechten gekommen; denn die preußischeArmee hätte in vielen Kolonnen, wie die Gebirgsstraßen es er-forderten, vom Thüringer Walde her angreifen müssen. Wo solltensich dann aber die an Selbständigkeit und eigenen Entschluß ge-wöhnten Generale finden, um die so vielfach geteilten Kräfte ein-sichtsvoll zu führen und einander zu unterstützen. Das lag nichtin der Natur der Armee, die gewohnt war, als geschlossene Phalanxaufzutreten. Und dennoch wäre ein solches Unternehmen immernoch besser gewesen, als die Ratlosigkeit und Verwirrung, das Hinund Her, das leider bald im großen Hauptquartier des KönigsPlatz greisen sollte. Ein Teilerfolg gegen die linke der drei großenKolonnen, in denen wir alsbald Napoleon aufbrechen sehen werden,hätte im Bereiche der Möglichkeit gelegen, und ein erstes glücklichesGefecht bedeutet meist viel im beginnenden Kriege.
Der Kaiser wußte, als er sich zum Aufbruch rüstete, nurwenig über die Bewegungen der Preußen und Sachsen, die nochnicht vereinigt, sondern auf vielen Straßen im Anmarsch gegenThüringen waren. Sein Plan in dieser ungewissen Lage ist dereinfachste von der Welt. Die große Armee stand auf breiter Frontzwischen dem Fichtelgebirge und dem Rhein auseinandergezogenund reichte tief nach Süddeutschland hinein. Eine Verteidigungwäre daher weiter rückwärts aufzunehmen gewesen, und eine solcheOperation lag nicht in Napoleons Charakter. So war sür ihnnur der schnelle und energische Angriff möglich. Diesen aber ge-dachte er sogleich derart zu führen, daß die Verbündeten sichihm zur Schlacht stellen und daß diese Schlacht unter allen Um-ständen entscheidend ausfallen müsse. Daraus ergab sich die Zu-sammenziehung der Streitkräfte nach dem rechten Flügel bei Bayreuth und Bamberg und von dort aus der Vormarsch auf Berlin . Umdieses zu schützen, war die preußische Armee gezwungen, wo sie auchimmer sei, herbeizueilen und sich ihm in den Weg zu stellen. Das ent-sprach ganz seinen Wünschen. Drei Straßen (S.Skizze 1) wählte er:
Von Bayreuth über Hof, Plauen und Gera ;